Agil oder was?

Warum wir uns das alles sparen können.

Wir glauben, gerade auch im Management, dass man nur eine neue Methode erfinden müsste, damit alles gut wird. Schneller, schneller, schneller ist das allgemeine Credo – und der Mensch versinkt immer mehr in vermeintlichen Sachzwänge und angeblichen Notwendigkeiten.

Was wir völlig verlernt zu haben scheint, ist das Innehalten, das Reflektieren, vor allem das sich selbst Reflektieren, das Nachdenken und Grübeln. Und das ist kein Widerspruch zur Selbstoptimierung. 

Selbstoptimierung ist ein gutes Ziel – wenn man weiß, wohin man sich selbst überhaupt optimieren möchte. Etwa flexibel soll ich sein – doch wozu?  Bezogen auf meinen Arbeitsplatz? Oder meine Meinung? Also sollte man einmal darüber nachdenken, was man damit überhaupt erreichen will.

Und dann dieser permanente Ruf nach Veränderung und Entwicklung. Betrachte ich die Situation in der Wirtschaft, dann kann man nur darauf warten, bis die Blase platzt. Wir reden zwar immer von Weltwirtschaft, doch damit ist nicht die Wirtschaft der Welt gemeint, sondern das Wirtschaftssystem einiger weniger Industrieländer.

Nehmen Sie doch nur mal Europa. Welch gewaltiger kultureller Unterschied zwischen dem Ruhrgebiet und der Toscana. Oder Berlin. Oder einem kleinen Ort in der Fränkischen. 

Alle, zumindest viele, rufen nach Agilität und merken nicht, wie sie sich dabei selbst verlieren. In meiner Jugend waren Filme wie 1984, Schöne neue Welt oder Fahrenheit 451 angesagt, weil sie die Einstellung vieler ausdrückten, ihre Befürchtungen widerspiegelten. Und was machen die heute? Agiltät das Wort reden? Und nicht wissen, was das eigentlich ist?

Ich glaube nämlich, dass das nur wenige so richtig wissen. Und noch weniger, was das für den Einzelnen bedeutet. Wir, also wir Europäer, eigentlich wir Deutschen, obwohl, eigentlich auch nur wir Westdeutschen, wir leben in unsere ganz eigenen Wirtschaftsdenke. Schickes Auto, schöne Wohnung, möglichst ein eigenes Haus, Urlaub möglichst weit weg, an einem Strand oder so.

Das funktioniert aber niemals für die Welt. Dafür gibt es die Ressourcen nicht. Und das Klima macht bei der Menge an Energiefreisetzung schon lange nicht mehr mit. Ganz zu schweigen von unseren Ernährungsgewohnheiten. Ich habe da ja nicht wirklich Ahnung, aber Nahrung müsste doch ganz strikt regional erzeugt werden. Und nicht global durch Wirtschaftsunternehmen, die angeblich markt- und doch nur profitorientiert sind.

Heißt denn globale Vernetzung gleichzeitig auch Weltwirtschaft, wie wir sie heute kennen? Das ist doch nur die Story, die wir uns selbst erzählen, weil wir Angst um unser schönes Auto, unsere schöne Wohnung und all die angenehmen Dinge haben, mit denen wir uns vergnügen. Letztlich auf Kosten der anderen, wohlgemerkt. Wir haben immer globalere Vernetzung, aber wir denken immer egoistischer. Nicht einmal lokal und regional. Lokal und regional zu denken heißt nämlich nicht, Mauern um sich zu errichten. Ganz im Gegenteil.

Was wir wirklich bräuchten, ist eine andere Denke, eine andere Sicht auf die Welt. Und eine ordentliche Portion radikalen Humanismus, der, wenn er sein Ziel erreicht hat, seine Macher entlässt. Das Ziel der Führungsriegen dieser Welt müsste nämlich sein überflüssig zu werden.