Alles eine Frage der Definition

Viel zu selten fragen wir, was ‚eigentlich‘ gemeint ist.

Manche Menschen halten mich für komplett an Logik, Begriffen und Verständnis orientiert. Und finden es uncool, dass ich an Perfektion nichts Schlimmes finde. Nein, ich finde Perfektion sogar richtig gut. Klarer Fall von Linkshirn-Orientierung – könnte man denken. Ist aber nicht so.

Denn eigentlich ist diese Links- und Rechtshirn-Differenzierung irgendwie Quatsch. Viel zu simpel gedacht. Aber wir Menschen, also die meisten von uns, haben es nun einmal gerne schön ordentlich im Leben. Alles sauber sortiert und aufgeräumt. Perfekte Ordnung eben. Eigentlich ziemlich paradox, dass ausgerechnet die, die andere kritisieren, zu viel Perfektion an den Tag zu legen, etwas ganz Ähnliches tun: Sie ordnen den anderen schwupp-die-wupp in die für sie (!) passende Schublade ein. Aber das ist keine Perfektion, sondern Perfektionismus. Das ist Sortieren des Sortieren Willens.

Oder sie machen es genau anders herum, alles ist gut, alles ist richtig, alles hat seine Berechtigung. Bei solchen Leuten zuckt es mir immer in der Hand, denen möchte ich mal so richtig ordentlich auf den Kopf hauen. Mal sehen, ob sie das dann auch immer noch alles so stimmig und richtig finden. Doch warum ist das so? Wenn wir mit unserer gewohnten Art des Denkens auf einen Andersdenkenden treffen, sind wir – je nach persönlicher Konstitution – verärgert, frustriert oder gelangweilt. Wir versuchen reflexartig unser Weltbild zu verteidigen. Und das tun wir gerade auch dann, wenn wir den anderen einfach nicht beachten.

Flucht, Kampf oder Tot-Stellen. Das ist der übliche Umgang mit Gedanken, die nicht in unser Weltbild passen. Statt dass wir unser ‚normales‘ Denken zu weiten, unsere Grenzen immer wieder auszudehnen zu suchen, danach trachten, über den Tellerrand zu schauen, suchen wir nach Sicherheit. Jedenfalls die meisten von uns. Statt dass wir lernen würden, unsere gewohnte gedankliche Ordnung zumindest  für einen Augenblick grundsätzlich infrage zu stellen. Denn gerade in diesen ‚Zuordnungen‘ und ‚Zuschreibungen‘ zeigt sich unser Bedürfnis nach Sicherheit einerseits und ein Mangel an (Welt-) Offenheit andererseits.

Was nicht heißen soll, sich unklar auszudrücken. Da bin ich ganz auf Wittgensteins Linie.

Sie haben Fragen zum Text?