Anders denken

Der einzige Weg in die Freiheit, den es gibt.

Solange wir keine zutreffende Vorstellungen über die Wirklichkeit haben und damit über alles, was in der Welt existiert, uns selbst eingeschlossen, solange haben wir ein echtes Problem.

Und das lösen wir nicht mit netten Geschichten, Emoticons und dass wir uns gegenseitig bestätigen, wie toll wir doch sind. Nein, das löst das Problem nicht, sondern macht es nur noch schlimmer. Wenn wir aber anders denken könnten, wirklich anders denken könnten, dann wäre auch das Problem verschwunden. Das Problem (schon wieder eins!) dabei ist nur, dass man das nicht nur sagen beziehungsweise denken muss, nein, man muss auch wissen, wie ‚Denken‘ überhaupt funktioniert.

Damit fängt es nämlich an. Und wieder ist das Problem weg. Ich liebe solche Probleme. Einfach die Sichtweise ändern und – zack! – schon ist das Problem weg. Das klingt in manchen Ohren dummerweise wie Verar…, ist aber ernst gemeint. Das Problem (heute habe ich es wirklich damit!) dabei ist nur, dass man sich selten darüber im Klaren ist, was einem da wirklich im Weg steht. Es ist nämlich nicht, dass man etwas nicht verstehen würde oder könnte, sondern das Problem liegt alleine darin, dass anders zu denken oft oder sogar meistens bedeutet, sein Identitätsgefühl, vorsichtig ausgedrückt, anders auszurichten. Und wieder ist das Problem weg. Wie sagt doch Ken Wilber völlig zu Recht? Das Ego soll man rösten, nicht trösten.

Also keine zuckersüße Illusionsdecke darüber ziehen, sondern ganz nüchtern und klar ergründen, was Sache ist. Das hilft, definitiv. Und das beginnt damit sich zu fragen, wessen Anerkennung wir suchen. Auch wenn wir es meist nicht wahrhaben wollen, es beginnt mit Mutter und Vater. In dieser Reihenfolge. Und dafür schlucken wir, freundlich ausgedrückt, jede Kröte. Wirklich jede. Nur, um anerkannt zu sein. Doch meist merken wir das dummerweise nicht.

Dieses Spiel geht solange, bis wir endlich erwachsen geworden sind. Nicht 18 Jahre alt, sondern erwachsen. Manche tun sich da auch im fortgeschrittenen Alter noch verdammt schwer. Man muss frei werden von den selbst auferlegten Fesseln, man muss wirklich eigenständig sein, eigenständig denken, eine wirklich eigene Meinung haben. Gar nicht so leicht in unserer konditionierten Gesellschaft.

Das Verlassen der Konvention offenbart uns übrigens, wo wir noch an den Eltern festhängen. Anders zu denken setzt nämlich voraus, eigenständig zu denken. Das sehen leider sehr, sehr wenige. Und wie soll man eigenständigen denken können, wenn man noch in Konventionen festsitzt? Geht einfach nicht!

Anders zu denken heißt dialogisch zu denken. Und natürlich auch reden. Aber mit dem Denken fängt es an.