Anfangen! Mutig sein! Tun!

Eine Speerspitze der Evolution zu sein ist besser, als ihr hinterher zu laufen.

Gestern Abend saß ich bei einem Nachbarn und Freund und er erzählte von seinem Beruf und was er demnächst tun wird, denn er hat die Abteilung gewechselt. Unter anderem erzählte er, dass er von einer Kollegin darauf angesprochen worden sei, dass er sich verändert habe. Auf seine Frage, was sie damit meine, erwiderte sie, dass er in Meetings nur noch etwas sagen würde, wenn er gefragt wird. Oder wenn ihm der Kragen platzt. (Das ist jetzt meine Formulierung.) Er redet in Meetings nur noch, wenn es etwas Relevantes zu sagen gibt.

So erlebe ich auch die Gespräche mit ihm. Wir reden meist nur über Dinge, über die sich zu reden lohnt. Wobei jetzt niemand glauben soll, wir hätten nicht auch unseren Spaß! Also keine Konventionen mehr. Und genau das macht er auch in der Firma, in der er arbeitet. Er redet über die Sache, um die es geht, und nicht über Befindlichkeiten. Was auch seine Chefs gemerkt haben. Und das honorieren sie, einfach, weil sie selbst die Zeichen der Zeit erkannt und das, Pardon, übliche Gelaber und Gejammer einfach nicht brauchen können. Denn das kostet die Firma Geld.

Fazit: Es lohnt sich, das Richtige zu tun, eine Speerspitze der Entwicklung, der Evolution zu sein. Aber dazu braucht es Mut. Denn dazu gehört auch, sich nicht (mehr) anzupassen. Bereit sein, auch unbequem zu sein. Passend dazu kam unter der Überschrift ‚Kurzfristiges Denken ist ein globales Phänomen auf allen Ebenen‘ ein entsprechender Artikel auf getabstract, ein Interview mit Pero Mićić zu seinem Buch ‚Wie wir uns täglich die Zukunft versauen‘. Ich habe es noch nicht gelesen, aber bereits der Titel macht mich total an. Genau das ist das Problem, dass viele Menschen einfach nicht sehen, wo das Problem wirklich drinsteckt. Sie sehen es einfach nicht. Warum aber nicht? Weil sie viel zu sehr mit sich, ihrem Geist, ihrem Denken, ihren Gefühlen und so weiter und so fort identifiziert sind. Und sich respektive ihrer Zukunft damit gewaltig im Weg stehen.

Aber wissen wir das nicht schon lange? Steht nicht schon im Matthäus Evangelium, 26, 41, ‚Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.‘? Nur darf das nicht als Vorwurf an sich selbst gesehen werden, sondern einfach als der Hinweis auf ein biologisches Überbleibsel, das wir uns langsam mal abtrainieren sollten. Und so ganz stimmt das Zitat vielleicht auch nicht. Es ist zumindest zu Beginn nicht der Unwillen, der uns von unseren Vorsätzen abbringt, sondern die Funktionen der Amygdala. Wie aber können wir die ‚austricksen‘? Ganze einfach, indem wir uns klar machen, dass wir erst einmal nicht schuld an unserer falschen Beharrlichkeit sind, sondern die Ursache eine biologische Funktion ist. Doch wenn wir dies wissen, nicht dagegen steuern und keine Strategien entwickeln, wie wir dieses Manko ausgleichen können und uns dann nicht auch konsequent an diese Strategien halten, dann haben wir ein ernstes Problem, denn dann stehen wir uns selbst im Weg. Fakt ist nämlich, dass wir die ‚Sturheit‘ der Amygdala nicht nur nicht mehr brauchen, sondern dass sie uns massiv behindert, wenn wir ihr freien Lauf lassen.

Also bringen Sie Ihre Amygdala unter Kontrolle, wenn Sie das noch nicht gemacht haben. Und werden Sie eine Speerspitze der Evolution! Doch das ist nicht so einfach. Denn das kann man nur dann sein, wenn man den eigenen Geist geklärt hat, sein Ego in die Schranken verwiesen beziehungsweise ihm komplett den Garaus gemacht hat, keinem wie auch immer gearteten Mystizismus anhängt und von dem Boden des Wissens aus argumentiert, über das wir heute verfügen. Niemals aber dürfen wir belehren oder bekehren wollen – eine echte Gratwanderung. Vor allem halte ich es auch für nicht sinnvoll, auf unrichtige Überlegungen einzugehen. Auf den Menschen schon, aber nicht auf unzutreffende Überzeugungen.

Wir brauchen keine Veränderung. Wir brauchen Evolution.