Bin ich Opfer? Oder doch Täter?

Und kann ich manipuliert werden?

Auf diese Frage stieß ich in einem Gespräch. Werden wir manipuliert oder manipulieren wir uns selbst? Eine spannende Frage. Und die könnte man endlos diskutieren. Aber bringt uns das weiter?

Ich gehe davon aus, dass wir nur das sehen, was wir überhaupt denken, also denken können. Ich kann einen (Lebens-) Prozess nicht erkennen, wenn ich nicht auch prozesshaft denken kann. Und frage ich die Biologen und Systemiker, dann sagen die mir, dass wir autopoietische Wesen sind, also Wesen, die nach dem von Humberto Maturana geprägte Begriff in der Systemtheorie über den Prozess der Selbsterschaffung und -Erhaltung eines Systems sich selbst organisieren und daher nicht von außen beeinflusst werden können.

Wenn ein System und damit auch ein Mensch als kleinstes gesellschaftliches System sich selbst organisiert – was man an kleinen Kindern sehr gut beobachten kann – dann heißt das, dass es ein Mythos ist, ein Opfer zu sein, denn dann ist man immer Täter.

Auch, wenn man sich dessen nicht bewusst ist! Geht man über dieses kleinste System hinaus in die Gruppe, denn jedes einzelne System interagiert mit allen anderen und bildet ein neues, größeres System, wie etwa mein Herz ein eigenes System in meinem Körper-System ist, dann wirken auch hier selbstorganisierende Kräfte.

So kann eine kleine Gruppe von zwei Personen sich ganz spezifisch organisieren, kommen jedoch vier weitere Personen dazu, die ganz anders ausgerichtete Verhaltensstrukturen haben, dann ändert sich das Verhalten in der Gruppe im selben Moment. Ich habe das gestern erlebt, wie sich zwei Personen in ihrem Verhalten vollkommen ändern können, sobald sie nicht mehr alleine sind.

Ist man sich dessen aber nicht bewusst, dann ‚rutscht‘ man regelrecht in die falsche und manchmal auch fatale Situation hinein. Vielleicht etwas weit ausgeholt, aber das ist genau die Dynamik, die undemokratische Führungspersonen mittels demokratischer Strukturen zur Macht verhelfen kann. Es sei denn, man ist sich dieser Dynamik bewusst.

Da wir aber nicht willentlich und nicht bewusst handeln können, brauchen wir zumindest zu Beginn Regeln, an die alle bereit sind sich zu halten, damit die Selbstorganisation in geordneten Bahnen verläuft.

Fehlt es bei mir an dieser Bewusstheit und fehlt es darüberhinaus an diesen von mir für mich als verpflichtend anerkannten Regeln, dann bin ich manipulierbar. Bin ich mir aber der Situation bewusst und halte ich mich an Regeln, dann bin ich auch nicht mehr manipulierbar.

Die damit auftauchende Frage ist was passiert, wenn sich die Beteiligten zum einen der Situation nicht bewusst sind und zum anderen auch keine Regeln definiert haben beziehungsweise sich nicht daran halten. Ganz einfach: Entweder es bildet sich ein einheitliches System und alle spielen mit oder das System bricht auseinander und man trennt sich.

Dies zu sehen bringt einen weiter. Jedenfalls mich.