Das Dilemma des Menschen

Wir begreifen mehr, als wir wahrnehmen können. Obwohl, genau stimmt das nicht. Wir könnten mehr begreifen, als wir wahrnehmen, wenn wir uns öfters auf Unbekanntes einließen.

Unsere ‚normales‘ System interpretiert und kommentiert wahrgenommene Dinge durch Fühlen, Gedanken und Emotionen. So weit, so gut. Doch wir haben unser Wahrnehmungssystem indirekt erheblich erweitert. Wir nehmen das gesamte Spektrum der Wellen zwar nicht wahr, dafür haben wir keine Sensoren, aber wir können es mit Geräten messen und intellektuell begreifen – aber eben nicht fühlen, nur denken.

Dass uns das ‚passiert‘ ist, hat mit der Bewusstwerdung des Menschen zu tun – und damit mit seiner Selbstbewusstwerdung. Zwei Dinge sind also gleichzeitig passiert: Die Erweiterung unserer Erkenntnismöglichkeiten über unsere ‚natürliche‘ Wahrnehmung hinaus und die Fähigkeit zur Selbsterkenntnis. Das ‚Ich‘ war geboren.

Solange wir diesen Zusammenhang nicht erkennen und das ‚Ich‘ als nichts anderes als ein gedankliches Konstrukt erkennen, also keine Wirklichkeit, ohne reale Substanz, so lange werden wir jede Ansicht, die dieses dann narzisstische, weil in sich selbst verliebte und in der Vorstellung aus sich selbst heraus existierende Selbst in Frage stellen könnte vehement attackieren und, wenn notwendig, auch bekämpfen.

Das alles hat etwas mit dem evolutionären Entwicklungsprozess von uns Menschen zu tun. Wir haben für alle die Dinge eine Vorstellung entwickelt, die uns potentiell gefährlich werden können. Und genau deswegen können wir quantenphysikalische Prozesse zwar begreifen und berechnen, aber wir können sie uns nicht vorstellen. Und das ist mit ziemlich vielen Dingen so.

Wir laufen also immer dann gewaltig in die Irre, wenn wir nicht wahrnehmbare, sondern nur intellektuell verstehbare Informationen so behandeln, als wären es wahrnehmbare Informationen. Einfach deshalb, weil dann in diesem Moment auch Emotionen aktiviert werden, die aber keinen vorstellbaren, sondern nur einen intellektuell verstandenen Grund haben – also keine Wahrnehmung! Also suchen sich die Emotionen irgendetwas, wo sie andocken können. Meist ist es der, der solche Sachen erzählt.

Aber es geht noch viel weiter. Ich kann nämlich nur denken, wofür ich auch die entsprechenden neuronalen Schaltkreise bereits habe. Beziehungsweise die Bereitschaft habe, diese Schaltkreise zu bilden. Stichwort sich einlassen können. Habe ich die nicht, bleibe ich in meiner eigenen neuronalen Sackgasse stecken. Und werde, auch wieder logisch, fuchsteufelswild, wenn mir jemand sagt, dass ich doch einfach nur weiter zu gehen (denken) bräuchte.

Die Frage ist also immer, ob wir für ein Gesprächsthema überhaupt eine Vorstellung haben – oder eben nicht. Betrachtet man das ganz genau, wird man sehr oft feststellen, dass wir das nicht haben. Aber wir tun so, als könnten wir es haben. Das ist nämlich das Problem, das dann auftritt, wenn wir für sachliche Themen einen emotionalen Konsens suchen. Nur das funktioniert nicht, wenn wir es uns nicht vorstellen können.

Emotion braucht die Vorstellung. Was wir uns aber nicht vorstellen können, verträgt sich nicht mit Emotionen. Wie man das feststellen kann? Ganz einfach. Wir müssen uns nur fragen, ob wir überhaupt die entsprechenden Wahrnehmungsrezeptoren dafür haben, also ob wir dafür überhaupt empfänglich und empfindlich sind. Sind wir das nämlich nicht, haben Emotionen keinen berechtigten Raum.

Vorstellen können wir uns lineare Strukturen relativ gut. Bei komplexen wird es schon schwierig. Und da das Gehirn nicht linear strukturiert ist, sondern sehr komplexe Strukturen hat, verstehen wir uns selbst meist so schlecht.

Ein echtes Dilemma.