Definition oder Bewusstheit

Jetzt soll man auch noch selber denken!

Der Mensch möchte gerne alles klar definiert haben, doch all das, was für das eigene Leben von grundsätzlicher Bedeutung ist, das, was dem Leben Sinn gibt, all das lässt sich nicht allgemein definieren. Würde, Qualität, Eleganz et cetera – keines davon lässt sich definieren. 

Man selbst braucht das Bewusstsein dafür, ohne dass man es deswegen auch ausdrücken könnte. Dass man darüber nicht wirklich reden oder diskutieren kann darf aber keineswegs bedeuten, es in der Versenkung der Beliebigkeit verschwindenden zu lassen. 

Den Verfall der Sitten, den so viele beklagen, hat sich unsere Gesellschaft wohl selbst zuzuschreiben, weil sie das eigenständige Denken, die geistige Kontroverse und gedankliche Auseinandersetzung dem Funktionieren (vor allem in der Wirtschaft) geopfert hat. Der Köder ist, dass es uns gut geht, wohlgemerkt uns, keineswegs aber allen Menschen auf der Welt.

Ich bin mir absolut bewusst, dass auch mein Wohlergehen indirekt auf Kosten anderer erwirtschaftet ist auch weiter werden wird – doch ich weiß wirklich nicht, wie ich da als Einzelner etwas bewegen kann. Zurück auf die Bäume, das kann es nicht sein.

Doch das anzuklagen hilft nicht, denn das wäre nur die Klage über ein Symptom – und damit völlig wirkungslos. Das Einzige, das wirklich helfen würde, wäre ein radikales Umdenken, ein ganz anderes Verständnis von der Welt als das, was wir bisher von ihr und auch von uns selbst haben.

Flüchtlingen zu helfen ist wirklich ehrenwert, aber letztlich leider ineffektiv, denn es ändern nichts wirklich, solange wir den Grund für die Notwendigkeit der Flucht nicht beenden. Die Konsequenzen des erforderlichen Paradigmenwechsels sind dabei noch völlig im Dunkeln, erst wenn sich die Menschen einig sind, und zwar so ziemlich alle, was die Bedingungen für ein gemeinsames Weiterleben wären, erst dann kann man darüber reden, wie das ginge. 

Wobei ich keine Zweifel daran habe, dass uns da was Kluges einfallen wird. Aber erst muss man die Menschen bewegen, umzudenken. Nur kann man niemanden zu etwas bewegen, das er sich nicht vorstellen, also nicht selbst denken kann. 

Also fängt es damit an, selbst zu denken!