Dem kann man glauben! Und dem nicht?

Was kann man überhaupt glauben? Oder wem?

Auf diese Frage kam ich, nachdem ich mich in einem Post auf einen Satz beziehungsweise einen Gedanken aus dem Text eines Mannes bezogen hatte, der den Ruf des Verschwörungstheoretikers hat und ich entsprechende Hinweise bekam.

Was ist das überhaupt, ein Verschwörungstheoretiker? Kürzlich las ich einen Artikel über den Einsturz der Twin-Tower und die Frage, ob sich der Einsturz überhaupt wie berichtet ereignet haben konnte. Las sich alles verdammt logisch. Aber was kann ich, einmal nur auf die Politik bezogen, überhaupt glauben? Es fängt nämlich vorne an, bei der Tatsache, dass viele (?) Regierungen nicht offen sagen, nicht nur nicht was sie denken, sondern was sie machen. Ich war einmal ‚nur‘ in unserem Stadtrat. Gott sei Dank nur 6 Jahre lang. Aber das hat mir schon gereicht. Seither glaube ich nämlich einem Politiker erst einmal überhaupt nichts.

Also wie war das dann mit den Twin-Towers? Keine Ahnung. Ob ich jetzt der offiziellen Darstellung glaube oder der alternativen: Ich weiß es nicht. Ich war nämlich nicht dabei und ich habe nicht genügend Fakten, um mir ein eigenes Bild zu machen. Wir Menschen haben ja scheinbar eine interessante Auffassung von ‚Lüge‘: Als eine Lüge wird nur angesehen, wenn jemand bewusst etwas behauptet, was aber definitiv und nachweislich nicht stimmt. Es ist scheinbar aber keine Lüge, wenn man den anderen von einem Sachverhalt ausgehen lässt, der aber überhaupt nicht stimmt und einfach nichts sagt und schweigt. Einfach, weil der andere sich nicht vorstellen kann, dass man selbst so unverfroren ist.

Oder ein anderes Beispiel: Ich bin einmal über das ‚Washington Experiment‘ gestolpert. Tatsächlich soll eine Gruppe von Meditierenden erreicht haben, dass die Kriminalitätsrate in Washington während einer bestimmten Zeit sank. Ein interessantes Experiment, das mich brennend interessiert, einfach deshalb, weil es in mein Weltbild ‚passt‘. Es wäre für mich einfach logisch, denn ich glaube nicht, dass Pflanzen untereinander Informationen austauschen (was sie ganz offensichtlich auch tun), wir Menschen aber nicht. Das Dumme ist nur, dass Pflanzen nicht miteinander reden. Also wie kommunizieren sie dann?

Das Problem ist – mal wieder – dass wir eben nicht sehen können, was wir nicht auch zu denken in der Lage sind. Bis irgend einer das Undenkbare denkt und so fest daran glaubt, dass er – nicht bis, denn das ist eine Bedingung! -, dass er irgendwann die Zusammenhänge denken und damit auch sehen kann. Peter Wohlleben hat das gemacht und ist beispielsweise darauf gekommen, dass Bäume über Pilze miteinander Informationen austauschen. Wieviele Menschen aber halten das schlichtweg für Quatsch?

Und wie schnell bekommt man einen ‚Stempel‘ ab! Ich kam einmal in den Verdacht, etwas mit den Scientologen am Hut zu haben. Warum? Weil ich auf einem Flyer mit meiner NLP-Ausbildung warb. Da stand am Ende ‚ … Society of NLP‘. Und schon war die Schublade offen, um mich einsortieren zu können. Wahrscheinlich atmete die- oder derjenige, der das aufgebracht hat, hörbar auf. War vielleicht jemand, der mal einen Prozess gegen mich verloren hatte. Kann durchaus sein! Klingt andererseits auch wieder nach Verschwörungstheorie. Und wird nicht vielen Denkern der Spruch zugeordnet ‚belächelt, bekämpft, akzeptiert‘? Wenn man mit seinen Gedanken den Anderen genügend verunsichert hat und der in den Modus ‚Angriff ist die beste Verteidigung‘ schaltet, dann fällt auch schon mal das Argument ‚Verschwörungstheoretiker‘. Und schon ist derjenige erst einmal zum Schweigen gebracht.

Aber Gott sei Dank geht es mir so nicht, die meisten Menschen belächeln ja nur, was ich so sage. Ich kenne jedoch jemanden, der war im ‚falschen‘ Forum, übrigens einem buddhistischen, um einmal mit der Mär aufzuräumen, Buddhisten seien einfach deshalb, weil sie sich Buddhisten nennen, friedliebend, und wurde derartig mit Haß überzogen, dass ich schlicht fassungslos war. Seither hat er sich ein Pseudonym übergestülpt, um es gegebenenfalls schnell wieder los zu werden. Habe ich mir auch schon einmal überlegt, dann muss man nicht immer so aufpassen, was man schreibt.

Aber mal im Ernst. Jeder, wirklich jeder, der eine Maske trägt, macht genau das. Er verbirgt seine Gedanken. Und das ist der ganz normale und leider meist kommentarlos akzeptierte Zustand unserer Gesellschaft. Oder sollte man nicht besser Wahnsinn sagen? Man nennt es auch Konvention. Wie kann ich einen anderen bezichtigen, ein Verschwörungstheoretiker zu sein, wenn ich nicht mit ihm darüber rede? Kann ich nicht. Wenn ich behaupten würde, dass Nietzsche nur deshalb in geistiger Umnachtung starb, weil er zu seiner Zeit mit seinen Gedanken nicht auf die erhoffte Resonanz traf, dann würden mir vielleicht manche zustimmen und andere doch eher die Schublade ‚Quatschkopf‘ schon mal vorsorglich aufmachen. Wie weit ist es dann noch zum ‚Verschwörungstheoretiker‘?

Die Länge dieses Weges bestimmt möglicherweise die gedankliche Nähe, die man zu dem Thema erreicht hat, was der andere offenbart nicht sehen, nicht wahrhaben will. Da kann man wirklich nachdenklich werden. Wer diesen Text aufmerksam liest, der wird merken, dass ich das Thema ‚Verschwörungstheoretiker‘ sehr vorsichtig angehe. Warum? Weil ich Geschichten wie die von H. G. Wells ‚Im Land der Blinden‘ oder Aldous Huxleys Buch ‚Schöne neue Welt‘ für eine ausgesprochen stimmige Beschreibung unserer Gesellschaft halte, wenn ich auch den Grund dafür, warum das so ist und was (nicht wer!) die Indoktrination auslöst wo ganz anders sehe. Hier ein Auszug aus der Beschreibung des Inhalts aus Wikipedia: ‚Allen Kasten gemeinsam ist die Konditionierung auf eine permanente Befriedigung durch Konsum, Sex und die Droge Soma, die den Mitgliedern dieser Gesellschaft das Bedürfnis zum kritischen Denken und Hinterfragen ihrer Weltordnung nimmt.‘ Wenn ich behaupte, dass das eine ziemlich genaue Zustandsbeschreibung unserer Gesellschaft ist, wie weit ist es dann noch zum Verschwörungstheoretiker?

Nein, es gibt keine Droge Soma oder was Ähnliches, die irgend jemand den Menschen verabreichen würde. Aber machen wir das nicht selbst dadurch, dass wir weiter in Konventionen leben? Wenn immer wieder behauptet wird, dass andere uns ausbeuten würden, etwa wirtschaftlich, und man dabei einem gedanklichen Kurzschluss erledigt, das aber nicht merken will – ist das nicht auch eine Verschwörungstheorie? Was ich damit sagen will: Wir sollten mit solchen Urteilen vorsichtig sein. Sehr, sehr vorsichtig. Und lieber das Gesagte genau untersuchen. Aktuell haben wir es ja mit einer Menge politischer Verschwörungstheorien zu tun. Da hilft es auch nicht, denen den Begriff ‚Verschwörungstheoretiker‘ um die Ohren zu hauen. Das Einzige, was hilft ist sich sachlich mit ihnen auseinanderzusetzen. Das aber setz voraus, dass man sich darüber im Klaren ist, das ein lebendiges System von außen nicht beeinflusst werden kann. Das ist nämlich die ganz banale und wirklich einfache Lösung des Problems.

Niemand kann mich zu irgend etwas bewegen, außer ich tue es selbst. Was aber sofort die Frage aufwirft, warum sich dann Menschen so verhalten, als wären sie tatsächlich von anderen manipuliert. Ganz einfach, weil sie nicht eigenständig denken. Sondern die Verantwortung, etwa dafür, dass sie sind, wie sie eben sind, anderen Menschen oder einer Sternenkonstellation zuweisen. Und schon muss man nicht selbst denken, denn es steht ja in den Sternen. Da halte ich es dann doch lieber wie Krishnamurti und denke selbst. Und wenn ich mal danebenliege? Ganz einfach: Aufstehen, weitergehen.

Vor allem aber lasse ich niemanden für mich denken. Ich glaube nur noch mir selbst. So wie alle anderen auch, nur dass sich die allerwenigsten bewusst sind, dass sie tatsächlich nur sich selbst glauben. Jemand, der sich etwa in einer Familiengeschichte verstrickt sieht, macht genau das. Er ist sich nicht bewusst, was er denkt. Und damit was er tut. Ich war früher extrem verstrickt in eine solche Geschichte. Heute bin ich es nicht mehr. Warum? Weil ich eines begriffen habe: Ich bin definitiv der Einzige, dem ich glaube. Und das ist ganz schön hart, wenn man nämlich begreift, dass man wirklich niemandem glauben kann. Macht irgendwie einsam. Aber war man das nicht schon vorher?

Was ändert sich denn, wenn man erkennt, dass man niemandem glauben kann – und das auch wirklich akzeptiert? Nichts. Außer, dass eine selbst erzeugte Illusionsblase platzt. Wie, man ist dafür auch noch selbst verantwortlich? Ja ist man. Man denkt ja selbst. Ist schon interessant, wo einen das Stichwort ‚Verschwörungstheoretiker‘ hinbringen kann, nämlich zum eigenständigen Denken. ‚Eigentlich‘ eine Selbstverständlichkeit. Tatsächlich aber wohl doch eher eine echte Herausforderung.

Sie haben Fragen zum Text?