Den Dingen auf den Grund gehen

Eine echte Herausforderung.

Wir Menschen unterliegen solange einer großen Täuschung, wenn wir glauben, wir hätten irgendetwas unter Kontrolle oder könnten bewusst entscheiden. Tatsache ist – und das mittlerweile ausreichend dokumentiert – dass jede unserer Handlung, jede Entscheidung, jede Überzeugung von Teilen des Gehirns gesteuert wird, auf die wir keinen Einfluss nehmen können.

‚Bewusst‘ wird es uns immer, und zwar wirklich immer, erst hinterher. Wenn wir uns für etwas entscheiden, und wirklich jede Entscheidung löst einen ‚Alles-oder-Nichts- Wettbewerb‘ zwischen rivalisierenden neuronalen Netzwerken aus. Die haben wir aber nicht unter Kontrolle. Während eines der beiden Netzwerke die Oberhand zu gewinnen beginnt, wird es zunehmend aktiver, wodurch das andere Netzwerk an Aktivität verliert, bis schließlich die Grenze erreicht ist: die Entscheidung ist gefallen.

Sich bewusst entscheiden zu können ist also leider ein Fake. Und ein wirklich gigantischer. Und ‚zwingen‘ wir uns zu etwas, dann kostet uns das nicht nur symbolisch, sondern auch tatsächlich Kraft, genauer Energie. Es sind logische Strukturen die mit emotionalen im Clinch liegen. Wusste schon Goethe, dass nicht eins sondern zwei Herzen in unserer Brust schlagen.

Haben wir uns als bereit erklärt, etwas Logisches zu tun, etwa dem Phänomen der Wahrnehmung auf den Grund zu gehen, dann werden wir das letztlich nicht tun, wenn sich die Emotionen als stärker herausstellen. Und genau deswegen werden Welt- und Selbstbilder so vehement verteidigt, weil sie und mit ihnen die eigene Ich-Vorstellung wie in einem Kokon in Emotionen eingebettet sind. Da hat Logik keine Chance.

Was wir für gut durchdacht halten, ist schon längst in unserem System begründet und gespeichert. Es sei denn, man erkennt das Problem, dass man sich nicht bewusst entschieden kann, sondern wie ein Zombie seinem biologischen System folgt. Das ist die Bedingung, ohne die sich uns der Ausweg nicht eröffnet, wie man dieses System in eine bestimmte Richtung trainieren kann. Ohne diese Einsicht trainieren wir nicht.

Es ist also nicht das Wissen, das etwas ändert, sondern das auf diesem Wissen aufbauende Training. Nur so können wir das neuronale System und damit den emotionalen Kokon umbauen. Doch was heißt das? Ganz einfach: Wer anders leben will, muss anders leben. Und wenn man sich auch bewusst ist, warum man das tut, was das angestrebte Ziel ist, dann gewinnt am Ende nicht wieder das alte System.

Ein praktisches Beispiel: Ich kaufte mir einmal ein neues Auto, von der Familienkutsche stieg ich um auf eine Peugeot 205 GTI. Damit änderte sich nicht nur mein Fahrstil, sondern mein gesamtes Verhalten wurde anders. Oder seit ich Motorrad fahre, finden einige, ich hätte mich verändert. Wie heißt es doch? Kleider machen Leute. Jeder Sportler weiß das übrigens auch: Mentaltraining hilft!

Tatsächlich gehört das zusammen: Das Äußere und das Innere, so wie das Logische und das Emotionale und Wissen braucht eben Praxis. Nur gemeinsam wird es etwas. 

Wollen Sie wirklich anders leben, dann leben Sie auch wirklich anders!

Und exakt deswegen gelingt es uns Menschen nur sehr, sehr schwer, den Dingen wirklich einmal auf den Grund zu gehen mit der Folge, dass wir letztlich doch immer nur an der Oberfläche hängen bleiben. Etwas wirklich zu ergründen gelingt uns nur dann, wenn dies von vorne herein (!) in unser System passt. Also ergründen wir normalerweise nie etwas. Wir tun nur so beziehungsweise glauben, dass wir es tun würden. Tun wir aber nicht.

Es sei denn, wir haben unser Gehirn entsprechend umgebaut und den Forschergeist installiert. So wie ein Sportler einen Sportlergeist braucht. Also müssen wir uns bewusst sein, wessen Geistes Kind wir sind. Logik und Emotionen haben genauso wie das Äußere und das Innere hier ihren Ursprung: In unserem Geist. Wenn wir beispielsweise nur sehen können, was wir vorher denken können, müssen wir uns weiter fragen, warum wir etwas denken können und etwas anderes nicht.

Und hier schließt sich der Kreis. Es ist ganz rudimentär unsere innere wie äußere Haltung, die klar, unmissverständlich und eindeutig die Richtung vorgibt. Wir sind also nur solange Zombies, solange wir uns des Geistes nicht bewusst sind.

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