Denkfehler

Wenn ein grundsätzlicher Denkfehler vorliegt, wird es definitiv schwierig.

Kürzlich saßen wir bei unseren Nachbarn, als sein Sohn Nr. 1 seinen neuesten Lego-Bagger vorführte, den er gerade zusammengebaut hatte. Er war stolz bis unter die Hutschnur, bis wir Erwachsenen – mal wieder typisch – ihn darauf hinwiesen, dass das Ganze einen Fehler im Getriebe hatte. Das drehte sich nicht, aber knackte dafür laut. Er fand dann eine ganz pragmatische Lösung. Er baute das falsche Teil einfach aus und alles war in bester Ordnung. Was nicht funktionierte, das war eben nicht mehr da.

Er ignorierte schlicht und einfach das Problem. Erst einmal. Mittlerweile hat er sich wieder eingekriegt und das Ganze richtig zusammengebaut. Damit hat sich mal wieder gezeigt, dass Kinder definitiv lernfähiger sind als die meisten Erwachsenen und sich auch mal was sagen lassen, wenn was nicht funktioniert. Bei vielen Erwachsenen habe ich da mittlerweile echt so meine Zweifel. Dabei ist das ganz logisch, dass die es, anders als Nachbars Sohn, einfach nicht wissen wollen. Denn es geht nicht mehr nur um Lego-Bagger, sondern um die eigene Identität, dieses ominöse ‚Ich‘.

Gut, aber was machen Kinder anders als Erwachsene? Ganz einfach, sie sind noch nicht lernresistent. Sie maulen zwar auch erst einmal, logisch, aber dann denken sie doch darüber nach und suchen zum einen den Fehler und zum anderen suchen sie eine – nicht die! – funktionierende Lösung. Also beides.

Ist das damit gemeint, wenn es heißt, werdet wie die Kinder? Hätte schon was, oder nicht? Aber das ist nicht das, worum es mir letztlich geht. Mir geht es darum, an diesem Beispiel zu zeigen, dass man niemals auf einem Fehler aufbauen darf. Dann wird es einfach nichts, kann es nichts werden. Das einzige, was einem dann bleibt, ist das Problem einfach zu ignorieren.

Aber das ist noch nicht alles. Es kommt nämlich noch schlimmer. Wir wissen ja mittlerweile, dass wir nur das zu denken in der Lage sind, was in unserer neuronalen Struktur angelegt ist. Sagt man uns also, dass da ein Fehler drin wäre, protestieren wir erst einmal lautstark. Wie Sohn Nr. 1. Und wie er ignorieren wir das Problem erst einmal. Der Fehler lässt sich ja, wenn es ihn gibt, nicht leugnen, auch wenn wir das nicht sehen wollen oder können.

Was also tun, wenn jemand einen Fehler behauptet, wir ihn aber nicht denken können? Da bleibt uns nicht viel anderes übrig, als uns erst einmal darauf einzulassen. Also untersuchen, was wirklich ist. Und das tut auch gar nicht weh. Außer natürlich, dass das Ego manchmal von seinem Sockel runter muss. Ich habe das kürzlich mal selbst erlebt. Ich kam mit einer Überlegung einfach nicht weiter. Lesch, der Physiker, könnte mir helfen, dachte ich. Was also tun? Logisch, Lesch googeln. Und tatsächlich, ich bekam ihn zu meiner Überraschung (und irgendwie auch zu seiner) an den Apparat. Obwohl das die Frage aufwirft, warum ich überrascht war, schließlich rief ich ihn doch an?

Seinen Kommentar fand ich erst einmal frustrierend. Er meinte nämlich, ich hätte da einen Denkfehler drin. Mein Ego stolperte also erst einmal und fiel ein Treppchen runter. Oder zwei. Ich lag einfach falsch. Weil ich das aber letztlich akzeptierte, bin ich heute weitergekommen. Und hoffe natürlich, dass mein Ego trotzdem unten geblieben ist. Was also definitiv hilft, ist zum einen alle Informationen zu bekommen, derer man habhaft werden kann und dann miteinander zu reden, um diese Informationen zu verifizieren. Auf jeden Fall nicht einfach glauben! Aber kein Disput, keine Diskussion, kein Diskurs. Sondern ein wirklicher Dialog.

Noch was. Zurück zu dem Anruf bei Lesch. Mein Leben lang habe ich immer wieder Sachen gemacht, die eigentlich aussichtslos waren. Und oft war ich sehr überrascht, dass es dann doch ging. Jedenfalls, das merke ich gerade, ist das eine gute Art mit den eigenen Beschränkungen umzugehen. Manche nennen das vermessen. Aber vielleicht muss man sich tatsächlich immer wieder über die eigenen Grenzen hinwegsetzen, will man weiterkommen. Muss ich mal drüber nachdenken.