Dialog

Wirkliche Dialogfähigkeit ist angesichts sozialer Gleichwertigkeit dringender gefordert als wir gemeinhin glauben.

Autoritäre Systeme funktionieren nicht mehr. Das hat sich mittlerweile herumgesprochen und wird auch immer deutlicher sichtbar. In Firmen funktioniert die meist nur noch, weil die meisten Mitarbeiter morgens ihr Wertesystem an der Pforte abgeben und abends wieder mitnehmen.

Doch wenn wir auf der bekannten Augenhöhe miteinander kommunizieren, wird es sehr schwierig, nicht in der Translation stecken zu bleiben, solange wir uns im konventionellen Kommunikations-Modus bewegen. Oberste Devise: Nur niemandem wehtun! Bloß nicht sagen, was man denkt, wenn es nicht genehm sein könnte! Ein echtes Dilemma.

Natürlich kommuniziere auch ich im Konventions-Raum, wenn ich mit Leuten rede, die ich wenig kenne. Aber ich sage nicht ‚Ja, so kann man das auch sehen!‘, wenn es meiner Meinung nach so sicher nicht ist, sondern ich beschränke mich auf ein freundliches ‚Hmm‘ und halte ansonsten meine Klappe. Höflichkeit muss nicht in konventionelles Geplapper abdriften.

Wollen wir also ernsthaft miteinander reden, bleibt uns nichts anderes übrig, als dies im wirklichen Dialog zu tun. Und nicht nur gelegentlich, sondern immer. Warum ich das denke? Als spätes Kind der 68er habe ich so meine Probleme mit autoritären Systemen. Andererseits geht es mir darum, weiter zu kommen auf der Bewusstseinsleiter. Also Wissen bekommen, weitergeben und austauschen. Und das geht sehr gut, wenn man sich an die Spielregeln des Dialogs hält.

Mir ist mittlerweile bewusst, dass ich auch meine Ausbildungen so absolviert habe. Ich habe mich immer auf meine Lehrer eingelassen, um sie zu verstehen, ohne meine eigene Meinung dagegen zu halten; doch nie ohne das, wenn ich sie verstanden hatte – und das bestimmten sie, nicht ich! – , also nie ohne das Gehörte dann selbst und eigenständig zu verifizieren. Was auch nicht heißt, es an der eigenen Meinung zu messen, sondern es schlicht und einfach auf Stimmigkeit hin zu untersuchen. Und den Mut haben, eine eigene Meinung zu haben, vor allem dann, wenn die nicht kompatibel mit dem Mainstream ist. Oder die bisherige Meinung schlicht als unzutreffend zu erkennen.

Um zum Dialog fähig zu sein braucht es definitiv Eigenständigkeit, Mut, Empathie (ohne die funktioniert Verständnis nicht), Interesse, Kreativität, Beharrlichkeit, Konsequenz und Selbstdisziplin. Und natürlich die Bereitschaft das, was man als falsch erkannt hat, unverzüglich und ohne Bedauern aufzugeben.