Die Bewegung von Yin und Yang 

Kann Destruktion einen positiven Gegenpol haben?

Yin und Yang symbolisieren im Verständnis vieler Menschen die beiden Kräfte, die sich nur scheinbar gegeneinander, in Wirklichkeit aber dynamisch miteinander bewegen. Ein einfaches Beispiel ist das Gehen, zwei gegenläufige Bewegungen, die jedoch dem selben Zweck dienen. So wird immer wieder die notwendige Bewegung durch Homöostase erreicht und der Puls des Lebens bleibt erhalten.

Die Frage ist, wie das Verhalten des Menschen als Ganzes gesehen, also als Menschheit, in diese Bewegung einzuordnen ist. Man könnte daran denken, dass der Destruktivität ein positiver Aspekt entgegensteht. Doch wohin führt diese Bewegung? Und was soll dabei der positive Aspekt sein? Vielleicht ist es doch so, dass die Zerstörung der Existenzgrundlagen des Menschen der Ausgleich für sein Verhalten ist, um den Kosmos letztlich unbeschädigt zu lassen.

Alleine die Lösung, die in Parzivals Frage an Amfortas steckt, nämlich woran er leide, könnte vielleicht einen andere, alternative Gegenbewegung zu dem aktuellen menschlichen Verhalten aktivieren: Mitgefühl. Das, was wir gerade erleben, wäre dann nur so etwas wie ein Stolperer in der Historie der Erde und der Menschheit. Das Universum würde es vielleicht gar nicht mitbekommen. Nur wer weiß das schon?

Im Moment sieht es noch eher nach der Korrektur einer in einer Sackgasse gelandeten Selbstorganisationsvariante durch Selbstauslöschung aus. Aber ich bin ja Optimist und gebe die Hoffnung nicht so schnell auf, dass der Mensch nach vielen Irrwegen vielleicht doch noch wie Parzival die Lösung entdeckt und endlich die Reißleine zieht. Nur lässt sich Mitgefühl nicht verordnen, dafür brauche es Einsicht. Wie bei Parzival. Und nicht nur bei einigen, sondern bei wirklich allen.

Doch das zu realisieren ist nicht so einfach. Jeder Einzelne muss verstehen, dass er für sich selbst verantwortlich ist und niemand sonst, doch dabei muss er sich gleichzeitig auch bewusst sein, dass es nicht um ihn selbst, sondern um die Menschheit geht. Eine körperliche und auch eine psychische Täter-Opfer-Beziehung ist in dem Yin-Yang-Konzept nicht vorgesehen. Das ist einfach krank und destruktiv. Was aber oft nicht nur von den Tätern verkannt wird, sondern leider auch von den Opfern.

Natürlich ‚erwarte‘ ich von meinem Partner, dass er freundlich zu mir ist. Doch ich bin mir dabei bewusst, dass ich das nicht einfordern kann. Dass ich es ‚erwarte‘, ist der Hinweis darauf, dass ich davon ausgehe und mir nicht nur Gedanken darüber machen muss, wenn diese Erwartung enttäuscht wird, sondern dass ich es auch anspreche. Ein Problem ist eine solche Erwartung nur dann, wenn ich sie einfordern will, wenn sie Ausdruck einer Opfer-Täter-Dynamik ist und ich nicht darüber spreche.

Klartext ist die Energie, die eine Yin-Yang-Dynamik in die richtige Richtung bringt.