Die eigenen Annahmen hinterfragen

Eine hervorragende Problemlösungsstrategie.

Zwei System-Techniker diskutieren über ein scheinbar banales Problem. Die Diskussion wird  jedoch immer schwieriger, bis der eine den anderen (endlich) bittet, doch einmal seinen Rechner hochzufahren und zu zeigen, was genau er da macht.

Und das „Problem“ löste sich im selben Augenblick in Wohlgefallen auf. Ganze einfach, sie verwendeten unterschiedliche Bearbeitungsmasken. Sie glaubten die ganze Zeit, sie sprächen vom Selben, doch das taten sie nicht.

So ist es bei vielen Diskussionen: Man glaubt, man spreche über das Selbe, doch tatsächlich startet man mit einem ganz unterschiedlichen Verständnis. Man hat für „seine“ Wahrnehmung schlicht und einfach eine andere Eingabemaske.

Alles, was wir wahrnehmen, muss durch eine solche subjektive Wahrnehmungsmaske. Wir interpretieren nun einmal vermeintlich Gleiches unterschiedlich, weil wir es mit einem anderen Verständnis erfassen. Solange wir das nicht berücksichtigen und unsere „Eingabemasken“ nicht miteinander vergleichen und auch nicht zumindest aufeinander abstimmen, ist ein weiteres Gespräch sinnlos.

Aber zurück, was machen die System-Techniker? Ganz einfach. Sie gehen nicht etwa her und jeder behält seine Eingabemaske, nein, das machen sie nicht, sondern sie klären ihre unterschiedlichen Herangehensweisen, statt sie zu diskutieren. Sie wollen ja mit ihrer jeweiligen Ansicht nicht Recht behalten, sondern die für das Thema, mit dem sie beschäftigt sind, die beste Lösung herausfinden. Also die stimmigste, sachlich fundierteste und letztlich optimalste, wenn nicht sogar die idealste.

Eines machen sie sicher nicht: Einfach weiter wie bisher. Was aber machen die Menschen üblicherweise bei politischen oder gesellschaftlichen Themen? Genau, sie machen weiter wie immer. Kaum einer ist grundsätzlich bereit, seine Eingabemaske für die Wirklichkeit in Frage stellen zu lassen. Nein, die wird verteidigt, koste es was es wolle, egal was dabei alles zu Bruch geht.. Lieber diffamiert man den anderen, wertet ihn ab, statt mit ihm zu reden.

Ich habe das in meinem Beruf oft erlebt, dass, wenn sich zwei über ein Thema oder um eine Sache stritten, sie eigentlich nie bereit waren, sich erst einmal Gedanken über die Konfliktlösungsstrategie zu machen. 

Wahrscheinlich wäre die Gefahr zu groß gewesen, dass sich am Ende die eigene Ansicht doch als etwas wackelig herausstellen könnte. Also doch lieber „das Gesicht wahren“, statt nach dem Richtigen zu suchen.