Die Sache mit dem Stinkefinger

Was kann man dagegen nur tun?

Nun gut, man kann solche Gesten unter Strafe stellen. Oder ächten. Doch das verhilft bekanntlich niemandem zur Einsicht. Aber von welcher Einsicht ist hier überhaupt die Rede?

Es gibt ein paar Dinge, von denen ich ausgehen muss, soll eine solche Geste für mich überhaupt Sinn machen. Ich darf mich zum einen mit dem anderen nicht verbunden wissen und fühlen. Schließlich zeigt man ja niemandem den Stinkefinger, dem man sich nahe fühlt. Oder den man zu brauchen glaubt. Was für denjenigen auf das Selbe hinausläuft. 

Und er darf mir nicht egal sein, sonst wäre es ja reine Energieverschwendung, in eine solche Bewegung zu investieren. Also muss ich etwas davon haben. So wie in der berühmten Sparkassenwerbung. Sie wissen schon: Mein Haus, mein Pool, … . Ganz schön schräg. Man glaubt sich getrennt, der andere ist einem aber wichtig. Warum eigentlich? Was gibt es für andere Erklärungen, als sich bedroht zu fühlen?

Wer einmal darüber nachdenkt, der merkt schnell, wie würdelos das ist. Und wer immer einen Schwächeren braucht, um sein eigenes Ego aufzupäppeln, der muss ja in ständiger Angst leben, dass irgendwann einer daherkommt, der stärker ist. Aus der Viktimologie weiß man, dass sich Täter in der Regel immer nur Opfer aussuchen. Also ist ein Stinkefingerzeiger darauf angewiesen, sich profilieren zu können und einen zu finden, der das mit sich machen lässt.

Wie, er braucht einen Schwachen um sein eigenes Ego aufzubauen? Wie krank ist denn das? Ein wirklich blödes Leben. Aber, das darf man auch nicht vergessen, es gibt noch Hoffnung. Jeder ist nämlich zur Einsicht fähig. Und zwar immer. Wirklich immer, auch wenn es leider selten passiert. Manchmal kann man so jemandem übrigens ganz leicht zur Einsicht verhelfen. Indem man sich nicht aufregt.

Das wäre nämlich sein Lustgewinn, dass der andere sich aufregt. Und kriegt er den nicht, wird er vielleicht nachdenklich. Wer weiß? Aber man darf ihn nicht verurteilen, was nicht heißt, man dürfe nicht urteilen. Das ist Blödsinn. Nein, das darf man nicht durcheinander bringen. Was aber geboten ist, das ist ihn durch die Parzival-Frage zu betrachten:

Woran leidest du?

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