Die Sache mit den Bildern

Eine effektive Art, um Stimmung zu machen.

In meinen Ausbildungen habe ich gelernt, dass man den Menschen Geschichten erzählen muss; will man ihnen etwas näher bringen, dann soll man Bilder für sich sprechen lassen.

Das haben in Zeiten des Multimedia viele aufgenommen. Kaum ein Text ohne ein Bild. Und sieht man das Bild, dann weiß man auch gleich, welche Art von Stimmung der Autor machen will.

Doch die Kunst, eigenständig zu denken, braucht solche vorgegebenen Bilder nicht. Wer eigenständig denkt, macht sich seine Bilder nämlich selbst. Und, Hand auf´s Herz, wie kann man einen Anderen leichter und effektiver manipulieren, als mit einem Bild? Ist wie bei der Dextro-Energy-Werbung – der direkte Weg in´s Hirn. Na, ist das Bild angekommen?

Was will Werbung anderes, als uns zu manipulieren, Pardon, zu motivieren, ein bestimmtes Produkt zu kaufen, egal, ob wir es brauchen oder nicht? Und was taugt dazu besser als die „stimmige“ Geschichte und das „passende“ Bild?

Wenn Sie also das nächste Mal eine sogenannte News mit Bild präsentiert bekommen, lesen Sie einmal genau den Text und vergleichen das dann mit dem Bild. Selten werden Text und Bild die gleiche Botschaft haben. Und das Bild ist ganz klar der Sieger. Und auch ehrlicher, was die Absicht des Schreibers betrifft.

Aber auch Geschichten sind nicht ohne, viele sind ja in der Lage, die opulentesten Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Manipulation sage ich dazu. Darum mag ich vielleicht Jiddu Krishnamurti so sehr, der sagt, was er zu sagen hat mit Worten – und nicht mit Bildern. Die braucht der Hörer auch gar nicht.

Ein Physiker wird Ihnen, wenn er Ihnen die Bewegung einer Wasserwelle erklären will, kein Bild zeigen, sondern eine mathematische Gleichung aufschreiben. Furztrocken? Sicher nicht für den, der diese Gleichung versteht! Mit Sprache ist es genauso. Je trockener und auch philosophischer die Sprache ist, desto eher kann man sie verstehen und muss nicht erst die Bilder loswerden, die einem unter geschoben, also „präsentiert“ wurden.

Man muss ja sehr darauf achten, dem anderen wirklich zuzuhören, man muss wirklich bereit sein, sich einzulassen. Fängt man aber an zu interpretieren, und das tut man bei „bildhaften“ Darstellungen, bleibt man zwangsläufig in den eigenen Denkstrukturen stecken und dreht sich nur weiter im Kreis. 

Etwas zu interpretieren oder interpretieren zu müssen verhindert letztlich Erkenntnis.