Die Welt und ich

In meiner Vorstellung – kein Unterschied.

So, wie ich mich sehe, sehe ich, natürlich als Gegenstück, auch die Welt. Und umgekehrt, logisch. Beides hängt unmittelbar miteinander zusammen, bedingt sich gegenseitig. Was aber nicht wirklich stimmt, denn es ist ein und das Selbe.

Wie also sehe ich die Welt – und mich? Als erstes fällt mir der Unterschied zwischen Menschen und der sonstigen Natur auf. Tiere handeln instinktiv, Menschen vielfach nicht. Und das auch noch immer weniger. Betrachtet man andererseits wie umsichtig und respektvoll Tiere miteinander und mit der Natur umgehen, dann wissen wir, vergleicht man das Verhalten des Menschen damit, dass der Mensch aus einer Ordnung gefallen ist, und zwar schlicht und einfach durch seine Bewusstwerdung. Diese Bewusstwerdung bedingt ja auch ein ‚Sich-seiner-selbst-bewusst-Werden‘. Und in genau diesem Augenblick war die Differenzierung geboren, die Differenzierung zwischen richtig und falsch, gut und böse, schön und hässlich, oben und unten. Zwar nicht von jetzt auf gleich, aber mit zunehmender Bewusstwerdung sah der Mensch die Welt und damit auch sich selbst immer differenzierter. Und das bleibt uns, leider. Oder erfreulicherweise. Kann man sich aussuchen.

Die Aufgabe des Menschen ist es nun, jedenfalls sehe ich das so, sich darüber klar zu werden, dass es diese Differenzierung oder Trennung tatsächlich nicht gibt, sie für den Menschen aber real ist, einfach deshalb weil er sie erlebt. Womit wir den ersten Baustein hätten, nämlich die Frage, was Realität ist. Real ist für mich das, was ich erlebe, was aber wirklich nicht bedeutet, dass es eine feststehende Wirklichkeit oder Tatsache wäre. Weit gefehlt. Das bedeutet nichts anderes, als dass wir Menschen dazu verdonnert sind, immer wieder den Konsens über Wirklichkeit zu finden. Und dabei bitte auch immer kritisch bleiben, uns immer wieder hinterfragen, immer wieder verifizieren, ob unsere Annahmen überhaupt stimmig sein können. Auch, wenn ich keine Realität außerhalb von mir feststellen kann, so gibt es doch die Realitäten aller existierenden Lebewesen. Und das muss man irgendwie zusammen bekommen.

Was der Mensch also braucht, ist ein ethisches System, das ihm hilft, im Einklang mit allem anderen zu leben. Dieses ethische System aber muss unmittelbar auf dem aufbauen, was er wissen kann. Zum Beispiel, was Materie ist – oder in Wirklichkeit nicht ist und nach beziehungsweise mit welchen Prozessen sich das Leben organisiert. Einer dieser Prozesse ist Selbstorganisation. Die Dinge, also ich, Sie, Tiere, Pflanzen und alles Existierende wird nicht von außen gesteuert, sondern steuert sich selbst. Was, zugegebenermaßen, erst einmal ausgesprochen verwirrend ist. Aber es ist so. Das beginnen mittlerweile immer mehr Wissenschaftsdisziplinen zu erkennen – und auch zu akzeptieren. Und da ist es nicht besonders hilfreich, wenn der Mensch einfach das ethische System seiner Eltern und der Gesellschaft kopiert und weiterlebt. Da braucht es schon ein bisschen mehr Gehirnschmalz und eigene Nachdenklichkeit. Klingt einfach, ist es aber bei Leibe nicht, denn da  stehen dem Menschen immer wieder seine Bedürfnisse nach Sicherheit, Zugehörigkeit und so weiter und so fort im Wege. Aber das ist ein anderes Thema, nur man sollte es wissen! Und auch nicht übersehen oder ignorieren.

Dass das alles nicht so einfach ist, wissen wir dank der Quantenphysiker. Die hatten nichts besseres zu tun als herausbekommen zu wollen, was denn Materie ist. Was sie fanden, hat sie aber erst einmal gar nicht erfreut, sondern in ein fürchterliches Dilemma gestürzt. Übrigens das selbe Dilemma, in das jeder stürzt, der noch dem ‚alten‘, also dem mechanistischen Weltbild verhaftet ist und langsam zu verstehen beginnt, dass das einfach nicht die ganze Wahrheit ist. Dazu gehört nämlich, dass letztlich alles irgendwie eins ist. Nämlich Geist. Und was ich denke, das gestaltet das auch noch. Also ist man gut beraten, sich genau zu überlegen, was man so denkt. Jedenfalls manifestiere ich Wirklichkeit mit dem, was ich denke. Also für mich. Und irgendwie für alle anderen auch. Verdammte Verantwortung kann ich da nur sagen. Zum besseren Verständnis: Je genauer die Quantenphysiker nämlich hinschauten, desto weniger fanden sie. Irgendwie löste sich vor ihren Augen respektive ihren Messinstrumenten alles immer mehr auf. Und zum Schluss bleibt irgendwie nichts. Da muss der materiell denkende Mensch schon gewaltig schlucken. Was schlicht und einfach bedeutet, dass sie, also die Quantenphysiker, die Welt neu denken mussten. Und wir sollten das tunlichst auch tun, wollen wir nicht weiter in einer Illusion leben.

Dass wir das tun, also in einer Illusion zu leben, genauer, dass wir eine Illusion leben, darin sind sich die Wissenssoziologen und Neurologen und noch ein paar andere mittlerweile leider sicher. Wir leben in der gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit. Punkt. Und wenn man das mit den Erkenntnissen der Quantenphysiker zusammenbringt, ja, dann wird es echt turbulent. Das muss man erst einmal verdauen. Aber das Schöne daran ist ja, dass man es selbst in der Hand hat, es zu ändern und zu gestalten. Naja, nicht wirklich in der Hand, aber im Kopf. Sozusagen. Ich vergleiche das gerne mit einem Fahrschüler, der auf einem Ferrari fahren lernt. Da braucht es schon verdammt viel Selbstbeherrschung, um das Auto und sich selbst nicht gleich zu schrotten. Selbstbeherrschung und Bewusstsein für die Grenzen des eigenen Könnens. Also der Fahrlehrer möchte ich nicht sein! Aber genauso blöd ist es, lieber zu laufen und den Ferrari stehen zu lassen. Da geht einem viel Spaß verloren. Spaß und auch eine gewaltige Herausforderung. Wir steuern nämlich unser Leben selbst. Und das in weit größerem Umfang als wir üblicherweise denken oder glauben. Und weil das sehr viele ängstigt, lassen es die meisten mit dem Ferrari und bauen sich, wenn überhaupt, doch lieber einen Golf. Oder gehen gleich zu Fuß. Und die Mehrheit, also die sogenannte Gesellschaft, tut noch ihres dazu und belegt alles mit Regeln. Als ich kürzlich in der Schweiz war habe ich mich gefragt, warum die so viele Sportwagen fahren. Wozu eigentlich? Bei 120 km/h ist für alle Schluss. Gut, das ist jetzt ein ökologisch problematisches Beispiel, soll ja aber auch nur ein Beispiel sein.

So, jetzt höre ich erst einmal auf, damit sich mein Gehirn nicht verknotet, sondern sich in schönen Serpentinen den Berg der Erkenntnis hinauf schlängelt. Oder, wie Alan Watts einmal gesagt hat, die Autobahn auf den Gipfel. Je mehr Serpentinen mein Hirn hat, desto gerader ist nämlich die Autobahn auf den Gipfel der Erkenntnis. Schönes Paradoxon!