Die Würde des Menschen ist unverletzlich

Doch was heißt das?

Würde ist zunächst nur ein Wort, eine ‚Idee‘, die überhaupt erst dadurch existent wird, dass sie gelebt wird. Vermutlich denkt kein Tier und keine Pflanze über Würde nach, doch können wir deswegen Tieren und Pflanzen ‚Würde‘ absprechen? Wohl doch nur dann, wenn wir sie nur für die menschliche Spezies in Anspruch nehmen.

Und damit stecken wir schon in dem eigentlichen Dilemma fest. Es ist allein die Vernunft des Menschen, die ihm eine Antwort auf die Frage geben kann, was ‚Würde‘ überhaupt ist und was sie für die Welt, den Menschen wie für ihn persönlich bedeutet.

Unter ‚Vernunft‘ verstehe ich die Fähigkeit des Menschen, die Welt gedanklich zu begreifen; im Gegensatz zur Intelligenz, worunter die Fähigkeit zu verstehen ist, die Welt mit Hilfe des Verstandes zu manipulieren, wie Erich Fromm es formuliert hat.

Wir nehmen zwar gerne Vernunft für uns selbst in Anspruch, doch folgt man den Gedanken der Weisen dieser Welt, dann können wir nur dann wirklich vernünftig sein, wenn wir uns aus symbiotischer Abhängigkeit gelöst haben, uns ihrer zumindest bewusst sind, denn je mehr wir in Strukturen verstrickt sind, desto weniger können wir mit der Kompetenz unseres Verstandes die Welt und uns selbst begreifen, desto leichter verfangen wir uns in mystizistischen Theorien und Vorstellungen.

Und eine davon ist, man kann es nicht oft genug betonen, die Konvention. Denn mit dem konventionellen Verhalten geht nun einmal die Weigerung einher, die Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind. Sich nicht konventionell zu Verhalten bedeutet ja nicht, unhöflich und desinteressiert zu sein. Ganz im Gegenteil!

Im Grundgesetz steht, dass die Würde des Menschen unverletzlich ist. Wortbedeutung und Wortherkunft zeigen auf, dass es sich um einen Achtung gebietender Wert handelt, der einem Menschen innewohnt, und die ihm deswegen zukommende Bedeutung.

Das ist die eine Seite. Doch die andere ist, dass ich mir dessen auch bewusst sein muss. Ich kann mir aber nur der Würde bewusst sein, die ich auch für mich selbst in Anspruch nehme. Unter Würde ist ja auch das Bewusstsein des eigenen Wertes zu verstehen, den wir durch unsere dadurch bestimmte Haltung zum Ausdruck bringen.

Und damit schließt sich der Kreis. Sind wir uns unserer Selbst bewusst? Wissen wir um unseren eigenen Wert? Wobei ich ich dieses Wort gerne vermeide, das bringt die Gedanken leicht in eine falsche Richtung, nämlich eine Marketingüberlegung. 

Die eigentlich Frage ist, ob ich, bin ich mir meiner eigenen Bedeutung in der Welt bewusst, mir dann noch Gedanken über ‚Würde‘ machen werde oder gar muss? Ich denke nein, denn dann verhalte ich mich würdevoll.