Ein Leben ohne Zeit

Geht das überhaupt?

Eines der großen Probleme des Menschen ist, dass er sich in der Zeit zu organisieren sucht. Zeit gibt es aber nur in der Vergangenheit und in der Zukunft. Die Frage ist, ob es tatsächlich um Zeit geht oder nur um Zeitempfinden. Vergessen wir nicht, dass Einsteins Relativitätstheorie erwiesen hat, dass Zeit nicht statisch ist, sondern dass Vergangenheit, Zukunft mit der Gegenwart vielleicht sogar im selben Augenblick existieren. Alles nur eine Perspektive der Wahrnehmung …

Aber gehen wir einmal davon aus, dass es Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gibt. In der Gegenwart aber gibt es kein Empfinden von Zeit. Viele Menschen aber denken permanent in der Zeit, sie organisieren ihr ganzes Leben in der Zeit, mit der fatalen Folge, dass sie gedanklich nur in Vergangenheit und Zukunft leben, nicht aber in der Gegenwart. 

Obwohl, wirklich leben tun sie dann ja nicht, denn sie leben am wirklichen Leben vorbei. Leben findet nur in der Gegenwart statt. Doch das beantwortet nicht die Frage, warum man sich überhaupt in der Zeit und nicht im zeitlosen Moment sieht. Es ist ganz einfach, denn wer etwas werden will, lebt automatisch in Vergangenheit und Zukunft, er oder sie denkt permanent darüber nach, was geschehen müsste oder was verhindert werden sollte. 

Es ist auch nicht der Umstand, dass man sich älter und älter werden sieht. Das ‚Ich‘, das (bildhaft)  in meinem Körper steckt, fühlt sich immer noch irgendwie an wie früher. Obwohl es fühlt sich nicht, denn das ist eine Körperempfindung, und der Körper ist es nicht. Klar denkt es anders als früher, aber ‚alt‘ denkt es nur dann, wenn es sich dem Konzept ‚ich bin alt‘ beugt. Denn dieses ‚Ich‘ denkt auch nicht wirklich, das macht das Gehirn. Es ist sich nur bewusst, ohne dass es sagen könnte, was es ist. Dem Alter gebeugt hat sich die Struktur der neuronalen Vernetzung. Es ist sich genau genommen seiner selbst nicht bewusst. Es ist einfach nur bewusst. Schwer auszudrücken. 

Schwierig wird es natürlich dann, wenn man sich mit seinem Körper, seinen Gedanken, seinen Gefühlen oder sonst irgend etwas identifiziert. Sollte man wirklich nicht tun. Ja, man sollte wirklich ‚zeitlos‘ leben, wobei es natürlich Blödsinn ist, nicht mehr zu sagen ‚Wir treffen uns morgen um 13.30 Uhr!‘ Wir haben unser Leben in der Zeit organisiert, sich da auszuklicken hieße das Kind mit dem Bade auszuschütten. Aber vergessen wir nicht, dass sich Aborigines, um ein Beispiel zu nennen, ganz ohne Uhr verabreden konnten.

Sollte man einmal darüber nachsinnen, was einem das über einen selbst sagt.