Ein Spiel mit Worten

Über die Wirklichkeit zu reden oder zu schreiben ist eine besondere Art der gedanklichen Unmöglichkeit, der Quadratur eines Kreises nicht unähnlich.

Dazu passt der Gedanke von Alan Watts, der einmal gesagt hat, das Leben sei ein Spiel, dessen erste Regel lautet, dass es kein Spiel sei.

Und genauso ist es auch mit den Worten. Wenn wir über die Dinge der Welt und was uns bewegt sprechen und vor allem dann, wenn wir über Wirklichkeit sprechen, dann trennen wir die Ganzheit des Lebens in einzelne Fragmente auf, die wir mit Begriffen zu fassen suchen. Das ist etwa so, als würde man mich in meine Einzelteile zerlegen und dann versuchen, daraus Rückschlüsse auf meinen Charakter zu ziehen. 

Wir übersehen leicht, dass ein Begriff für sich alleine nicht existieren kann, er ist ohne sein Gegenteil als Hintergrund einfach nicht denkbar und nicht sichtbar. Dazu kommt noch, dass unsere Sprache nach dem Prinzip der Newton`schen Physik gestaltet ist. Also sehr praktisch und effizient für mechanisch funktionierende Dinge und Abläufe, leider aber nicht für Menschen und deren komplexes Erleben, Denken, Gedanken, Empfindungen und Gefühle.

Ein Beispiel: Ich unterhalte mich mit einem Bekannten über Musik zu hören während des Motorradfahrens. Findet er nicht gut, weil das zu sehr ablenke. Komisch denke ich, ich fahre dann immer wie im Flow und hochkonzentriert. Nach einer Weile kam es mir dann: Welche Musik hört er überhaupt? Vielleicht Marschmusik? Oder eher Klassik? Also ich verbinde mit den verschiedenen Musikarten ganz unterschiedliche Gefühlszustände. Aber wie soll ich jemanden erklären, was ich innerlich empfinde, wenn ich etwa Bachs Toccata und Fuge in D-Moll höre? Geht definitiv nicht. Und das höre ich auch garantiert nicht auf dem Motorrad.

Meine Fotos, etwa die von einer Norwegenreise, die versteht auch nur einer wirklich, nämlich ich selbst. Ich kann sie eben nachempfinden. Und genau das kann ein anderer leider nicht. Vermeintlich kann er das scheinbar schon, aber doch nur mit seinen Erinnerungen und seinen Empfindungen und nicht mit meinen! Also sehen wir das ein und dasselbe Foto und sehen doch nicht das Selbe. Und meistens auch nicht einmal das Gleiche, denn dazu müssten wir beide dabei gewesen sein und das ziemlich Gleiche empfunden haben, als wir das Objekt im Moment der Aufnahme gemeinsam anschauten und das gleiche dabei empfanden.

Es ist nun mal so, das es ‚meine‘ Empfindungen, Gedanken, Vorstellungen, Sichtweisen  und so weiter eben nur in meinem Kopf gibt und letztlich mein Geheimnis sind und auch solange bleiben, solange ich nicht über sie spreche. Was aber eine wirkliche Herausforderung ist – für mich wie für den Zuhörer oder Leser.

Für mich, denn ich muss versuchen keine Emotionen hineinzubringen, muss immer danach suchen, sachlich zu bleiben, mich klar und präzise auszudrücken und mich nicht in konventionelles Gerede verlieren. Der Zuhörer oder Leser wiederum darf nicht an den verwendeten Begriffen hängen bleiben, auch wenn er sie keinesfalls beliebig interpretieren darf, sondern er muss genau bei dem ursprünglichen Wortsinn bleiben, um dann den darin liegenden Sinn heraus zu hören oder zu lesen, das, was ich wirklich sagen will, was nur zwischen den Zeilen und Worten zu finden ist, aber eben nicht in den Worten selbst.

Nicht schwierig, sondern absolut faszinierend.