Einer für alle, alle für einen.

Aber bitte global!

Kürzlich schrieb ich einen Text über das Motorradfahren in einer Gruppe. Das Faszinierende dabei ist, dass man im Fahren vollkommen alleine und auf sich selbst gestellt ist. Da hilft einem nichts und niemand. Aber trotzdem ist man nicht alleine! Alle Fahrer der Gruppe ordnen sich selbst ein (nicht unter!), die eigenen Fähigkeiten werden korrekt eingeschätzt und schnell und ohne Diskussion hat sich die Gruppe formiert und sortiert. Und das in einem Prozeß, der nur einigen wenigen Prinzipien folgt, jedenfalls keinen starren Regeln, die einer vorgeben würde. Selbstorganisation eben.

Diese Prinzipien sind dem eigentlichen Prozess immanent, sie ergeben sich zwangsläufig aus ihm. Wichtig ist zu sehen, dass die Basis Prinzipien sind, die Regeln folgen erst danach. Manchmal aber kommt es vor, dass einer diesen Prinzipien nicht folgt. Dann versucht man ihn entweder über das Kommando ‚Halte Dich an die Regeln!‘ zu disziplinieren oder er wird zum Störfaktor, den man letztlich ausschließt. Was dabei leicht übersehen wird ist, dass jeder Mensch diese Gemeinschafts-Prinzipien wie eine einzelne Zelle die Prinzipien des Körpers grundsätzlich verinnerlicht hat.

Ist sich einer nicht bereit einzuordnen, dann liegt das meist an dem Gefühl, sich auf diese Weise seine Eigenständigkeit bewahren zu müssen (!), was regelmäßig aus einer Situation resultiert, in der diese Eigenständigkeit mit Füßen getreten und die grundsätzliche Autonomie eines jeden Menschen mit Gewalt unterbunden wurde.

Auffallend finde ich beim Fahren mit einer Gruppe, wie schnell dieses Prinzip ‚Einer für alle, alle für einen!‘ oft wieder verlassen wird, sobald die Fahrt zu Ende ist oder man eine Pause macht. Das falsche Verständnis von Eigenständigkeit, man kann es auch das Ego nennen, das im Fahren ohne Diskussion aufgegeben wird, meldet sich dann wieder, der Einzelne streift es über wie eine Jacke. Wird die Motorradjacke ausgezogen, wird oft gleich wieder die Egojacke angezogen. Es ist eben der besondere Prozess des Fahrens in der Gruppe, der schlicht und einfach nicht Ego kompatibel ist. Also lässt man es sein, zumindest für die Dauer dieses Prozesses.

Statt dass man es als Muster für das ganze Leben nimmt.

Ein Nachsatz: Kennt man die Prinzipien nicht beziehungsweise sind sie einem noch nicht bewusst, kann man sie über die Einhaltung der Regeln erfahren – und die Regeln wieder vergessen.

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