Erfahrungswissen contra Pseudo-Wissen

Etwas wissen zu glauben heißt nicht, dass man es auch begriffen hätte.

Eine Erfahrung, die ich immer wieder mache. Und bei manchen Dingen, etwa dem Motorradfahren, kann das durchaus schmerzhaft sein. Was ja auch sein Gutes hat, Schmerzen helfen einem ja, es nicht so schnell wieder zu vergessen und zu ignorieren.

Spannend fand ich, als ich in einem Vortrag von Wolf Singer hörte, dass das Gehirn beim Üben, beispielsweise dem bewussten ‚um-die-Kurve-fahren‘, ganz andere Gehirnregionen aktiv sind, als wenn man automatisch, also intuitiv und ohne darüber nachzudenken um die Kurve fährt. Was übrigens nicht heißt, dass ich dann unbewusst durch die Kurve fahren würde. Aber das ist ein anderes Thema.

Wenn ich also um die Kurve fahren kann, dann habe ich entsprechendes Erfahrungswissen. Theoretisches Wissen kann ich dabei haben, soviel ich will, es lässt mich nicht durch die Kurve fahren. Es ersetzt also das Üben nicht, es hilft nur dabei es zu lernen und lässt mich leichter und schneller üben. Aber allein durch das Üben wird es zu ‚echtem‘ Wissen. Erfahrungswissen eben. Fällt das Üben aus, ist es eben nur Pseudo-Wissen.

Damit kann man zwar klug daher reden, aber es ist ohne wirkliche Substanz. Also dürfen Sie mich zukünftig immer fragen, ob ich auch über diesbezügliches Erfahrungswissen verfüge. Wenn nicht, sollte ich ganz schnell den Mund halten und ein Thema anfangen, über das ich wirkliches Wissen habe.

Aber wenn ich nur über das reden kann und soll, das ich auch erfahren habe, dann wird die Themenauswahl ganz schön reduziert.