Erst richtig, dann falsch. Und was jetzt?

Oder: Wie kommen wir aus dem Dilemmata wieder heraus?

Eine Klarstellung vorab: Dass es die Dimensionen ‚richtig‘ und ‚falsch‘ nur in unserem Denken gibt, dass dies ‚nur‘ Bewertungen sind, das ist klar. Genauso klar ist mir, dass jeder Mensch nur das tut, was für ihn folgerichtig ist. Doch darüber jetzt die Gnade der Absolution herunter rieseln zu lassen, das halte ich nicht für logisch. Und auch nicht für zielführend.

Auch wenn ich heute weiß, warum ich mich verhalten habe, wie ich mich eben verhalten habe, vor allen Dingen beruflich, macht es das kein bisschen besser. Allenfalls fühle ich mich dabei besser, nicht ganz so mistig. Bert Hellinger hat es einmal treffend so formuliert: ‚Unschuldig schuldig werden.‘ Wenn ich lese oder höre, was in der Welt passiert, dann kann man wirklich nicht behaupten, ‚alles sei richtig, so wie es geschieht‘. Zu sagen, dass etwas falsch sei, darf nur keine Verurteilung sein. Man kann ja sehr wohl etwas verstehen, ohne gleich damit einverstanden zu sein.

Also sollten wir alles zusammentragen, was wir über unseren derzeit noch einzigen – und wahrscheinlich auf absehbare Zeit auch einzigen – Heimatplaneten alles wissen. Über ihn hinaus zu denken ist nur insoweit interessant, als es Rückschlüsse auf uns selbst zulässt. Und wir sollten sehr, sehr vorsichtig und zurückhaltend mit Überlegungen sein, die sich nicht so ohne weiteres verifizieren lassen. Wir haben ja so lange ein grundlegendes Problem, solange wir nicht berücksichtigen, dass wir nur sehen, was wir glauben. Ein kleiner, aber gewaltiger Denkfehler, der uns in die vollkommen falsche Richtung gehen beziehungsweise denken lässt.

Was wir brauchen ist ein Nebengleis des Denkens. Einfach einmal aufhören mit dem Automatismus des vermeintlich Normalen. Also erst einmal weiter machen, aber auf einem Nebengleis, sozusagen auf einer gedanklichen Spielwiese, zum einen eine Kata formulieren, das ultimative Ziel, und sich dann ganz konkret, erst gedanklich, dann auch im Tun Schritt für Schritt auf dieses Ziel zu bewegen. Man kann es wie bei einem Abhängigen machen: Entweder den radikalen Bruch – was wohl nur wenige vertragen und oft auch nicht gut geht – oder langsam ausschleichen.

Ich nenne das Konzept, die dahinter stehende Idee, ‚Samurai der Moderne‘ oder ‚Business-Samurai‘; jedenfalls so lange, bis mir etwas besseres eingefallen ist. Die Geschichte der Samurai weißt ja interessante Parallelen zu unserer Zeit auf. Die Zeit der Samurai kam nicht von ungefähr. Es war eine geistige Gegenbewegung zu dem Zustand der ‚zivilisierten‘ Welt in der Mitte des 16. Jahrhunderts in Japan. Ihr ‚Umdenken‘ folgte dabei einem universellen Prinzip:

Bereit sein, etwas gegen den Wahnsinn der Zeit zu tun
Erkennen, dass wir uns selbst zerstören
Die Antwort auf die Fragen der Zeit in sich selbst finden
Es geht um grundlegende Selbsterkenntnis
Die Illusion des Getrenntseins überwinden
Das Gefängnis der gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit verlassen
Den einzelnen Menschen erreichen
Zurückfinden zur wahren Dimension des Menschseins
Die Gesetzmäßigkeiten ergründen
Die ‚Kata‘ finden und definieren
Das ‚Schwert‘ der Moderne: Geist und Denken
Authentisch leben
Ethik als Basis menschlichen Miteinanders etablieren

Fazit: ‚Ein menschliches Wesen ist ein Teil des Ganzen, das wir Universum nennen … Er erfährt sich selbst, seine Gedanken und Gefühle als etwas von allem anderen Getrenntes – eine Art optische Täuschung seines Bewusstseins.’ Albert Einstein. Die Frage ist aber nicht, wie lange wir noch in der Illusion der gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit leben wollen.

Die Frage ist doch, ob wir es uns noch lange leisten können, weiter so zu leben wie bisher.