Es ist nicht die Methode, die mir weiterhilft, sondern das Prinzip.

Warum? Weil ein voller Bauch nicht gerne denkt.

Die alten Römer formulierten das etwas philosophischer, sie waren nämlich der Überzeugung, dass ein voller Bauch nicht gerne studiere. Und das ist grundsätzlich so. Im Umkehrschluss. Gehe ich nämlich hungrig in ein Gaststätte, passiert etwas Paradoxes; ich bestelle mir dann mehr, als ich eigentlich bräuchte. Und dummerweise esse ich das dann auch auf, hat man mir mal so beigebracht.

Also vorher denken? Solange man Hunger hat? Oder dazwischen? Eine Frage, die mir kürzlich wieder in einem anderen Zusammenhang untergekommen ist. Jedenfalls ist das nicht die Lösung. Wenn ich nämlich satt bin, interessiert mich nicht die Bohne, was ich essen könnte, wenn ich wieder hungrig geworden bin.

Ich komme nur eigentlich dann aus diesem Dilemma heraus, wenn ich mir einen Plan mache, was ich essen will, bevor ich Hunger bekommen habe. Gute Idee, funktioniert aber selten. Denn ich sage schnell ‚später!‘ wenn ich satt bin, und wenn ich Hunger habe, ist es eh vorbei. Doch es gibt eine Lösung: Prinzipien! Und diese Lösung funktioniert wirklich!

Ich brauche also Prinzipien, nach denen ich meinen Einkauf oder meine Bestellung gestalte. Prinzipien gehen von dem aus, was ideal wäre. Dann brauche ich nur noch Disziplin und Konsequenz, bis ich die bis dahin ungewohnten Prinzipien derart verinnerlicht habe, dass ich sie exakt anwenden und mich danach ausrichten kann, ohne mir noch irgendwelche Gedanken darüber machen zu müssen.

Und das funktioniert in allen Lebensbereichen so. Ich pendle ja immer irgendwie immer zwischen den Polen satt einerseits und hungrig andererseits hin und her. Bis ich das merke und mir schleunigst überlege, nach welchen Prinzipien ich handeln sollte.

Ich will Ihnen ein Beispiel erzählen. Angenommen, sie streiten sich mit jemandem. In der Regel ist das eine Situation, in der selten eine wirkliche Lösung gefunden wird. Ich habe mal gedacht, durch Mediation wäre das möglich. Ist es aber nicht wirklich. Bis ich auf die wirkliche Lösung kam: Man muss die Streithähne dazu bringen, sich erst einmal über die Lösungsstrategie zu verständigen. Also über die Prinzipien, nach und mit denen sie eine Lösung finden müssen – und nicht können. 

Prinzipien nehmen einem nicht die freie Entscheidung, aber sie  beenden Beliebigkeit und vor allem die Tendenz zu egoistischem Handeln. Wir Menschen sind ja sowohl mit der Fähigkeit zur Vernunft ausgestattet, andererseits handeln wir auch instinktiv. Das, Instinkt und Vernunft, in Harmonie miteinander zu bringen, das ist die Kunst und auch die Aufgabe des Menschen.

Es wird ja sehr viel über und auch vor allem mit Emotionen geredet und diskutiert. Emotionen sind letztlich eine Folge unseres instinktiven Kodex, auf den wir keinen willentlichen Zugriff haben. Aus diesem Grund ist es so schwer, dagegen mit Vernunft anzukommen – es sei denn natürlich, es ist schon die Bereitschaft und der Wille vorhanden, Instinkt und Vernunft zu harmonisieren. Aber wie man an dem Beispiel der Streithähne sehen kann, ist das meist ein Ding der Unmöglichkeit.

Aber mit Prinzipien funktioniert es. Nur über die muss man sich vorher Gedanken machen, zwischen ‚satt‘ und ‚hungrig‘. Aber warum funktioniert das eigentlich? Warum sollten wir das überhaupt machen? Da kommen dann die Konditionierungen ins Spiel.

Wir Menschen sind ja definitiv konditioniert, selbst dann, wenn wir nicht in der Konsensus-Trance feststecken, die der amerikanischen Psychologen Charles Tart beschreibt. Heißt, wir denken und handeln entsprechend unserer Konditionierungen, selbst dann, wenn wir glauben, wir hätten das, was wir tun wohl überlegt. Aus dieser Falle kommen wir nur dann raus, wenn wir nicht nur unser Denken und Handeln vorher reflektieren, sondern es auch noch eingeübt haben. Und das geht eben über Prinzipien.

Konditionierungen sind ja nicht per se schlecht. Es gibt auch durchaus positive und ‚angenehme‘ Konditionierungen. Nur sprechen wir dann lieber von ‚implizitem Können‘. Aber was ist das anderes als eine Konditionierung? Sind also wohl durchdachte und reflektierte Prinzipien ein Schlüssel, um zu sein, was ich wirklich bin? 

Ich behaupte sogar, es ist der einzige Schlüssel, den ich habe. Über die Prinzipien harmonisiere ich Instinkt und Vernunft, baue ich eine Verbindung zwischen unbewusstem Denken wie Handeln und der bewussten Reflexion. Und da ich ja nie wirklich bewusst handeln oder denken kann, sondern mir immer nur hinterher etwas bewusst wird, dann liegt genau darin die Lösung.

Instinkt – Prinzipien – Vernunft. Das ergibt den vernünftigen Instinkt wie die instinktive Vernunft.