Fastenzeit

Eine gute Gelegenheit, den Geist zu reinigen.

Ich habe mich dieses Jahr entschieden, die drei Siebe von Sokrates zu fasten. Ist es wahr? Ist es gütig? Ist es notwendig?

Eine gute Praxis auf dem Weg zur Wahrhaftigkeit.

Eine große Versuchung ist jedoch, einfach zu schweigen, statt etwas zu sagen. Denn die eigentliche Schwierigkeit ist ja, dass ich nicht wissen kann, was ich wirklich denke. Bin ich nur an der Oberfläche freundlich oder bin ich wirklich freundlich, eben auch in meinen nicht-bewussten Gedanken und Prozessen?

Es geht letztlich über Sokrates´ drei Siebe hinaus, es geht um Wahrhaftigkeit und Wesentlichkeit. Etwas sein zu wollen ist das eine, doch das auch wirklich zu sein ist das andere. Wie kann ich wesentlich und wahrhaftig sein, wenn ich mir nur sehr, sehr wenig meiner selbst überhaupt bewusst werde?

Jeder, der schon einmal mit dem Rauchen aufhören oder abnehmen wollte weiß, dass das gar nicht so einfach ist, seine alten Gewohnheiten aufzulösen. Mit Rauchen habe ich von einem Tag auf den anderen aufgehört. Doch die Rauchgewohnheiten war ich deswegen noch lange nicht los. Konnte man gut an meinem Umgang mit Rauchern merken. Ich denke, es hat so fünf bis sieben Jahre gedauert, bis ich endlich rauchfrei war.

Was interessant ist, denn die Lunge braucht auch so um die sieben Jahre, bis sie den Teer wieder los ist. Vielleicht eine interessante Synchronizität. Müsste man darüber nachdenken. Jedenfalls, von heute auf morgen funktioniert es definitiv nicht, nur weil ich mich dafür entschieden habe, selbst, wenn es manchmal so scheinen mag.

Und es braucht einen guten Grund, mit etwas aufzuhören. Einen guten Grund und eine Alternative. Gewohnheiten auflösen ist sehr schwierig, leichter ist es sie mit anderen, neuen auszutauschen. Vielleicht ist es nicht nur leichter, sondern sogar notwendig.