Fragmentiert oder vernetzt?

Ein Paradigmenwechsel schlägt zu.

Die Menschen sehen sich selbst und die Welt, vor allen Dingen aber andere Menschen als von sich selbst fragmentiert und getrennt. Das ist ein seit Tausenden von Jahren zu beobachtendes Phänomen, das sich immer wieder in Kriegen und Streit Bahn bricht.

Eine „Lösung“ oder Definition des Problems haben schon seit langer, langer Zeit die Chan-Menschen erkannt. Und für uns in nachvollziehbaren Worten hat es schon 1550 Étienne de La Boëtie in seinem Text „Von der freiwilligen Knechtschaft des Menschen“ beschrieben. Doch auf die Chan-Menschen und Philosophen hört ja keiner. Soweit so gut. Doch die Situation hat sich geändert. Und zwar drastisch und wohl auch dramatisch.

Um 1900 haben die Physiker erkannt, dass Newtons Vorstellungen von der Welt unvollständig waren. Die haben sich auch philosophisch damit auseinander gesetzt, aber auf die hört ja auch keiner. Mittlerweile haben wir diese Erkenntnisse – Stichwort Quantenphysik – auf vielfältige Weise umgesetzt. Ohne dieses Wissen gäbe es keine Satelliten und ohne die keine kommunikative Vernetzung.

Doch das Denken der Menschen ist, sicherlich auch bedingt durch eine Sprache, die die Begrifflichkeiten widerspiegelt, die sich in der Physik Newtons wiederfindet, nach wie vor fragmentiert. Und in der Sprache ist nun einmal unser Welt- und damit auch unser Selbstverständnis konserviert. Wie sagt doch Wittgenstein in seinen Logisch-Philosophischen Abhandlungen treffend: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ 

Fragmentierung und Vernetzung sind nun aber einmal zwei absolut inkompatible Sicht- und Denkweisen. Wie verträgt es sich also, dass wir zwar zunehmend global miteinander vernetzt sind, aber weiterhin fragmentiert denken? Eben überhaupt nicht, absolut nicht.

Und genau darin sehe ich das Problem, mit dem wir gerade nicht nur in Chemnitz, sondern auf der ganzen Welt zu kämpfen haben. Man könnte vermuten es ist die Angst, die die Menschen sich intensiv mit der aktuellen politischen Situation in der BRD beschäftigen und sie nicht sehen lässt, dass das ein weltweites „Problem“ ist. 

Vielleicht ist es ja an der Zeit, solche Zusammenhänge einmal zu bedenken. Was nämlich, wenn es so wäre? Dann wären wir wie der Mann, der, um die Laterne kriechend und seine Brille suchend, auf die Frage, ob er sie denn hier verloren habe ganz ehrlich antwortet, ‚nein, das habe er nicht, hier aber sei es hell‘.