Gefühl, Emotion, Logik, Verstand – und Information

Doch wer entscheidet was und wann?

Ganz klare Sache, denn auch hier gilt das Musketier-Prinzip: Alle für einen, einer für alle. Es geht nämlich ganz klar weder um Gefühl, Emotion, Logik oder Verstand, sondern um etwas ganz anderes, nämlich den Erkenntnisprozess, der in unserem Organismus eben nicht nur durch eine Funktion ‚bearbeitet‘ wird.

Sondern mit allen und durch alle gleichzeitig. Irgendwie. Nur nicht gleich intensiv. Wenn ich im Garten liege und über Gott und die Welt nachdenke, dann steht die Amygdala sozusagen auf Stand-by in Hab-Acht-Stellung, wohingegen Logik und Verstand auf Stand-by geschaltet sind, wenn ich schnell um eine Kurve fahre.

Doch wehe, wenn sich in der Kurve der Verstand, der mal wieder kontrollieren will, oder die Amygdala in die PC-Reparatur mit dem Kommentar ‚schneller, schneller, schneller!‘ einmischen. Das wird dann nichts. Schwieriger ist es schon bei einem Streit, da wäre es manchmal gut, wenn Emotion und Verstand Seite an Seite stehen würden. Tun sie das nicht, regt man sich schnell auf wie ein Rumpelstilzchen, reagiert man nur ganz nüchtern, kann es passieren, dass der andere den Ernst der Lage vielleicht nicht sieht.

Also nicht bei Gefühl, Emotion, Logik und Verstand stehen bleiben, sondern sie als einen ineinander verschachtelten Erkenntnisprozess sehen – und eine Ebene tiefer gehen. Da begegnet einem die süße, kleine Information, um die es eigentlich geht. Es ist ganz einfach, wenn zwei sich streiten, dann hören sie oft die Informationen nicht, die der andere aussendet. Die interessante Frage aber ist, warum nicht!? Denn leider sagen wir Menschen sehr selten, worum es uns eigentlich überhaupt geht. Und oft ist uns nicht einmal selbst bewusst, was aber nicht heißt, dass wir es nicht wissen könnten. Aber manches ist gut vergraben.

Also ganz simple Lösung: Die Information herausbekommen, um die es geht! Nur wie gesagt Vorsicht, denn oft kennen wir die eigenen Informationen nicht, um die es uns geht, wir spüren sie nur und reagieren entsprechend emotional, etwa, weil die aus irgendwelchen ungeklärten Gründen im sogenannten Unterbewusstsein verbuddelt sind. Wenn ich mich etwa mit meiner Frau über etwas streite und reagiere dabei aus der Sicht eines Unbeteiligten grundlos emotional, dann ist die Lösung nicht zwischen mir und meiner Frau, sondern erst einmal bei mir selbst.

Denn das heißt nichts anderes, als dass ich gerade einen möglicherweise heftigen und vor allen Dingen wichtigen internen Konflikt in mir selbst austrage. Zwei Netzwerke, die sich miteinander streiten. Da wäre es dann gut, wenn es zwischen meiner Frau und mir ein anderes Streitritual gäbe. Solche Streitrituale gibt es ja tatsächlich, etwa bei den Samurai oder beim Fechten, früher gab es die auch beim Fußball. Und so ein Streitritual kann man lernen, aber nicht im oder nur für den Streit, sondern überhaupt und ganz allgemein.

Wer mich kennt, der weiß ja, dass ich Stylesheets liebe. ‚Was tun wenn‘ ist damit ganz einfach schon vorher präzise definiert und man hat es zur Hand, wenn man es braucht. Sofort. Das ist gut so, denn wenn man es braucht, dann ist der Verstand nicht vorne auf der Bühne, sondern die Emotion. Und die braucht sehr, sehr schnell eine klare und unmissverständliche Anweisung – die sie auch ohne Diskussion akzeptiert. Was der Verstand zwar durchaus versteht, aber selbst nicht drauf hat, der braucht nämlich immer Zeit zum Nachdenken. Mit Emotionen zu diskutieren ist darum auch schlichtweg sinnlos, genauso wie dem Verstand mit Emotionen kommen zu wollen.

Wie gesagt, letztlich ist es ein einziger Erkenntnisprozess. Es geht also um Informationen. Die aber müssen auf die richtige Art und Weise verarbeitet werden können. Also fange ich am besten mit einer emotionalen Bemerkung an, dann ist gleich mal so richtig Stimmung im Laden. Nein, das mache ich natürlich nicht. Jetzt käme normalerweise eine Anweisung, wie man Informationen am besten austauschen kann. Aber die kommt nicht, denn das weiß wohl jeder. Und wer trägt schon gerne Eulen nach Athen.

Doch es gibt etwas, das mir erst kürzlich wieder bewusst wurde. Sind Emotionen im Spiel, dann geht es ganz oft nur um die Frage, die Parzival Amfortas gestellt hat: Woran leidest du? Aber diese Frage kann man nicht jedem stellen, der andere muss sie auch beantworten wollen. Heißt also, man sollte den Verstand nach vorne auf die Bühne holen. Doch der wird nur kommen, wenn die Emotionen Ruhe geben und sich zurückziehen. Das beginnt am besten mit dem Satz: ‚Jetzt mal langsam!‘ Oder so in der Art. Und dann holt man die Logik noch dazu und das Gefühl, das merkt nämlich schnell, wenn etwas nicht stimmt, ohne sich gleich aufzuregen.

Etwas habe ich bei dem ganzen aber noch nicht erwähnt, nämlich das Bewusstsein. Gefühl, Emotion, Logik und Verstand funktionieren ja nicht-bewusst. Das Bewusstsein ist sowas wie der Chef von allen, der hat zwar was zu sagen, aber er macht absolut nichts. Der weist zwar auf Fehler hin, ändern können das aber nur die anderen. Und das ist oft schwierig.

Und wieder ein Punkt für das Stylesheet. Einsicht hat nämlich nichts mit Wissen, Logik und auch nicht mit Bewusstsein zu tun. Das ist eine ganz andere Baustelle. Einsicht kommt manchmal als bewusste Resultat der Kombination von Wahrnehmungen und Nachdenken und dann als Ergebnis eines analytisch-synthetischen Erkenntnis­prozesses daher. Manchmal kommt sie auch auf anderem Wege zustande, dann ‚blitzartig‘ erlebte Einsichten werden in der Alltagspsychologie einem besonderen geistigen Vermögen, nämlich der ‚Intuition‘ zugeschrieben. 

Wieder eine andere Baustelle. Dabei ist ‚spontane‘ Intuition meist nichts anderes als der Zusammenbruch eines alten Gedanken- und Vorstellungs-Systems, an dem der Zweifel schon lange genagt hat und jetzt zieht einer den letzten Baustein raus, nimmt dem Ganzen endlich den Zusammenhalt und das System kollabiert. Was beliebt übrig? Einsicht!

Einsicht setzt nämlich voraus, dass vorher etwas nicht wirklichkeitsgemäß vernetzt war und dass es jetzt endlich aufgelöst wurde – und das Neue in Angriff genommen werden kann. Und alles, was in unserem System vernetzt ist, ist erst einmal gegen jeden Angriff von außen gut geschützt. Da lassen dann wieder die Emotionen grüßen. ‚Ändern‘ lässt sich das nur durch einen anderen Umgang mit Informationen. Stichwort ‚sich einzulassen‘. Was wiederum auch eine Einsicht bedeutet! Denn nichts und niemand kann mein Denken angreifen – wie denn auch!?!