Gibt es mich eigentlich?

Interessante Frage, oder nicht?!

In meinem Welt- und Selbstverständnis bin ich eine Zelle im Körper des Universums, genau so wie eine Zelle in meinem Magen eine Zelle meines Körpers ist. Ich frage mich gerade, ob diese Zelle Hunger haben kann und man mit Fug und Recht annehmen kann, dass sie etwa denkt ‚Mann, habe ich einen Hunger!‘, wenn ‚ich‘ Hunger verspüre?

Keine Ahnung, was die Zelle denkt, aber wie kommt es dann zu ‚meinem‘ Gefühl des Hungers? Was verspürt eigentlich eine Zelle, wenn sie etwas braucht, irgendein Mineral etwa? Wir merken das ja meist nur, dass zumindest Organe etwas zu spüren scheinen und das dann an das Gesamtsystem weiter zu geben in der Lage sind, wenn sie ein Manko verspüren. Also wenn mein System Magen Hunger meldet, dann knurrt zwar eben dieser Magen, aber wer hat eigentlich Hunger? Doch wohl eher das Gesamtsystem und nicht der Magen, der ist vielleicht froh, dass er nicht arbeiten muss.

Und wenn ich sage, ‚Ich, Peter, habe Hunger!‘, dann bin ich ja wohl nicht mehr als ein Verkünder dessen, was andere beschlossen haben, nämlich dass sie Nahrung brauchen! Also dieses ‚Ich‘, von dem ich so oft rede, ist letztlich nicht mehr als ein sprachliches ‚Ich‘, ein Bewusstseinsphänomen. Aber ist das ‚mein‘ Bewusstsein? Irgendwie schon und doch auch wieder nicht. Also jetzt gerade (komischer Zufall!) meldet sich irgend eine Informationsstelle meines Körpers und meldet mir, dass mein Magen knurrt. Der knurrt aber eigentlich nicht, er ist in diesem Fall ja auch nur der Bote. Irgendwie.

Und wenn ich mir das gestrige Fernsehprogramm vor Augen führe und was so in den Medien geschrieben und gesagt wird, dann frage ich mich, ob wir nicht alle so eine Art Sprachrohre für Aspekte des Ganzen sind. Vielleicht sollten wir uns das doch einmal genauer anschauen und anhören. Schließlich sollte ich ja auch bald mal auf meinen Magen hören und etwas essen.

Obwohl, die 4 Kilo Winterspeck müssen schon noch weg. Das registrieren aber nicht alle Organe meines Körpers, sondern mein Gehirn hat es heute früh bemerkt. Nehme ich mal an. Also muss mein Gehirn mit den anderen Beteiligten einen Deal ausmachen, damit die nicht laut zu meutern anfangen, wenn es dann ernst wird und es weniger zu futtern gibt.

Wenn das alles schlüssig wäre, dann hieße das ja nichts anderes, als dass ich ein Aspekt des Universums bin, also irgendwie das Universum selbst, aber eben auch nur ein Aspekt, und ich die anderen Stimmen nicht einfach ignorieren darf, sondern das Notwendige tun muss, wenn es in meinen Zuständigkeitsbereich fällt. Also doch wieder ein ‚Ich‘ mit einem spezifischen Job?

Ich muss mal mit den Zellen meines Körpers reden, wie die das sehen. Bringt mich vielleicht weiter. Ich bin ja scheinbar nur so eine Projektionsfläche des Bewusstseins. Nicht ‚meines‘ Bewusstseins, sondern das eines Körpers. Ist ähnlich wie mit einem Bildschirm. Jeder, der ihn besitzt sagt ‚Das ist meiner!‘. Hat ihn ein anderer, sagt der mit dem gleichen Brustton der Überzeugung ‚Das ist meiner!‘. Da könnte man eine ganze Truppe Juristen beauftragen zu klären, wem er denn jetzt gehört.

Also alles nur eine Frage der Zuordnung. Dass ich etwas ‚mein‘ nenne, ,heißt ja nicht, dass es mir gehören würde. ‚Meine‘ Frau kommt in einer halben Stunde wieder. Hat sie gesagt. Aber gehört sie deswegen mir? Doch auch nicht mehr als ein sprachliches ‚mein‘! Und exakt das Selbe ist es, wenn ich ‚Ich‘ sage. Vertrackte Sprache! Aber wenigstens steht damit der Schuldige für diese Verwirrung fest.

Aber mal Spaß bei Seite. Ist dieses ‚Ich‘ tatsächlich nicht mehr als nur eine sprachliche Zuordnung für eine bessere Identifikation, eine effektivere Kommunizierbarkeit? Alles nur ein sprachliches Tribut und letztlich nichts, was real existieren würde! Dank einer Gedankenlosigkeit oder gedanklicher Nachlässigkeit eine gewaltigen Fehlinterpretation. Also nichts als eine Illusion?

Mal angenommen, es wäre so. Was würde dann passieren, wenn ich das akzeptieren würde, außer dass vielleicht mein Ego Schaden nehmen würde? Nichts würde passieren, überhaupt nichts, alles wäre wie es vorher schon war. Und doch wäre alles irgendwie anders. Auf jeden Fall wesentlich entspannter. Aber auch verantwortlicher. Dann ist Schluß mit einfach tun, worauf ich Lust habe.

Aber schlecht ist diese Vorstellung nicht. Hat was. Oder etwa nicht?

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