Ich bin, wie ich bin. Das muss ich erst einmal verstehen.

Was einem leider oft sehr schwer fällt auch zu sein.

Manchmal hat man ja das Bedürfnis, dass etwas anders werden soll im Leben. Man liest Ratgeber, hört, was andere so machen. Überlegt sich, wie es denn vielleicht richtig wäre. Von manchen Zen-Buddhisten hört man auch, alles sei gut so, wie es ist. Es gäbe nichts zu finden und erst Recht nicht, etwas zu werden.

Aber angenommen, ich stecke in einem konditionierten Leben fest und bin mir dessen auch bewusst, was mache ich dann? Eigentlich brauche ich nichts. Denn ich bin ja, wie ich bin. Ich muss mir dessen nur bewusst sein. Merke ich, dass ich mich gerade wie ein Idiot aufführe, dann brauche ich mir dessen nur bewusst zu sein, um damit aufzuhören. Und wenn ich mir meiner selbst bewusst bin, wenn ich anfange, mich wie ein Idiot zu benehmen, dann fange ich am Besten garnicht erst damit an.

Einfach nur mir meiner selbst bewusst zu sein, das soll genügen? Ja, das tut es. Ich habe gerade heute dieses Zitat von Foyan gelesen: ‚Nur dann kann man dich einen Zen-Schüler nennen, wenn du klar siehst, bevor Zeichen sichtbar werden, bevor das Denken einsetzt und die Ideen sprießen.’ Entscheidend ist die Reihenfolge: ‚vorher‘. Wird es uns erst hinterher bewusst, dann hilft es, zurück auf Los zu gehen und neu anzufangen.

Es ist ja eigentlich ganz einfach. Wenn ich mit dem falschen Fuß beginne, beginne ich eben falsch. Und dann sollte ich eben noch einmal anfangen. Von vorne. Mir all die Qualitäten herholen, die ich habe. Doch was brauche ich dazu? Einfach nur Bewusstheit. Und das hat, zumindest zu Beginn, meist sehr viel mit Langsamkeit zu tun.

Ganz entscheidend aber ist der Anfangsgedanke ‚Was einem leider oft sehr schwer fällt auch zu sein.‘ Warum um Himmels willen soll es mir schwer fallen zu sein, wie ich eben bin? Die witzige Frage ist ja, ob ich bin, wie ich bin. Irgendwann fiel mir auf, dass ich überhaupt nicht so war, wie ich eben war. Das war nicht ich, der da handelte, sondern ein Avatar von mir, ein Schauspieler, der machte, was ich gedankenlos glaubte, es wäre richtig, das zu tun. Und das in meinem Namen!

Bis ich dann irgendwann begriff, dass ich im Grunde genommen ja immer ein Avatar bin, ich bin ja nicht ‚so oder so‘, sondern eben der, der ich – im Idealfall – bewusst bin. Wobei ich unter einem Avatar erst einmal keinen Gott verstehe, sondern eine gedachte Person in einer virtuellen Welt. Sieht man nämlich Realität als das, was sie ist, nämlich eine reine Konstruktion, dann befinde ich mich in einem Spiel und tue gut daran, das Spiel sehr, sehr bewusst zu spielen.

Ich habe also immer die Wahl. Entweder ich bin mir meiner selbst bewusst oder ich habe auf Automatik geschaltet. Nur das muss einem erst einmal bewusst sein.

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