Ich will endlich raus!

Aber dazu müsste ich erst einmal wissen wie.

Gerade las ich in einer Zeitschrift von Gehirn und Geist aus dem Jahr 2004 in dem Kommentar eines Psychologen zur aktuellen Hirnforschung, dass „(wir) zum einen immer detaillierteres Wissen darüber (haben), wie kognitive Prozesse mit Hirnfunktionen zusammenhängen, zum anderen (haben wir) große Defizite im theoretischen Verständnis eben dieser Zusammenhänge. Kurz gesagt: Wir wissen viel, verstehen aber nur wenig.“

Korrekt, sage ich da. Genau so ist es. Obwohl, so ganz stimmt es doch nicht. Vielleicht müssten wir nur einmal schauen, wie wir die Dinge verstehen, was wir darunter überhaupt subsumieren. Aber der Reihe nach. Er spricht darüber, dass wir über ein immer detaillierteres Wissen über unsere kognitiven Prozesse haben. Stimmt. Die Frage ist aber, ob das auch jeder parat hat und ob uns das überhaupt auch bewusst ist? Damit fängt es schon an.

Also sollten wir aufhören, irgendwelche metaphysischen Schwärmereien nachzuhängen, aufhören uns die Welt schön zu denken und statt dessen einmal anzufangen uns zu überlegen, was wir eigentlich schon alles wissen. Also sammeln wir erst einmal, was wir überhaupt an belastbaren Fakten haben – und nicht etwa an Interpretationen. Unter Fakten verstehe ich all das, was ich ganz konkret beobachten kann, ohne es zu interpretieren. Ein echtes Problem taucht für mich als „Anwender“ dann auf, wenn ich nicht wissen will, warum Äpfel nach unten und nicht nach oben fallen, wenn ich mich also mit meinen Wahrnehmungen zufrieden gebe. Ich muss also meine Wahrnehmungen hinterfragen und ihnen auf den Grund gehen, natürlich ohne jegliche Form der Spekulation. 

Dabei sind definitiv nur Fakten von Interesse und ich darf mich auch nicht davon irritieren lassen, dass am Ende ein großes, schwarzes Loch auftauchen wird. Es ist fatal, dies mit irgendwelchen spekulativen Theorien zu füllen, denn das macht mich blind für die Wirklichkeit hinter der sichtbaren Wirklichkeit wie für neue Erkenntnisse. Was ich immer als tröstlich empfinde, das ist die Tatsache, dass ich selbst ja auch dieses Unbekannte bin. Also bitte keine Panik, ich bin doch da! Und selbst dann, wenn ich nur eine Illusion wäre, was würde sich dann ändern? Eben, nichts! Also kann ich doch ganz entspannt und mit einem leisen Grinsen im Gesicht in dieses Nichts schauen. Und mir vielleicht eine Lampe zulegen, um Licht in das Dunkel zu bringen.

Was natürlich überhaupt nicht funktioniert, wenn man die Welt fragmentiert sieht und denkt. Dann hat man ein echtes Problem. Und die Angst, die dann auftaucht, kann gewaltig sein. Da hilft es nichts, dass das „nur“ eine Illusion ist; das muss man wirklich erst einmal kapieren. Aber zurück. Wir wissen viel, doch die Zusammenhänge sehen wir oft noch nicht. Möglicherweise steht uns da auch unser „altes“ lineares Denken gewaltig im Weg. Aber egal, entscheidend ist, dass wir aufbauend auf dem, was wir wirklich wissen können, eine stimmige Philosophie entwickeln. Und dann merken wir sehr schnell, mir ging es jedenfalls so, dass es die „eigentlich“ schon sehr lange in Form der Philosophia perennis gibt.

Das zu erkennen ist das Eine, das Andere ist dies auch wirklich zu leben – und nicht nur davon zu träumen. Als erstes muss ich diese Philosophie selbst verifizieren. Darüber zu reden ist da eine, verifizieren ist das andere. Und dann muss ich das Erkannte auch noch in eine Form bringen. Wo tun Sie Ihren Tee rein, wenn Sie keine Tasse haben? Nichts existiert ohne eine Form! Es bleibt solange immer nur eine Idee, ein Wunsch oder ein Traum, bis wir dem eine Form geben.

Und genau so kommen wir aus dem (vielleicht) falschen Leben raus.