Ist das Leben ein Spiel?

Ja, das ist es!

Wobei, wie Alan Watts einmal gesagt hat, die erste Regel lautet: „Dies ist kein Spiel!“ Ein schwieriger Satz und ich habe lange über diesen Satz gebrütet, bis ich ihn endlich – jedenfalls hoffe ich das – begriffen hatte. Denn lustig ist er nicht, auch wenn er vielleicht so klingen mag, als hätte Watts sich da einen Scherz erlaubt.

Nehme ich die Erkenntnisse der Quantenphysiker wirklich ernst und denke sie auch konsequent zu Ende, dann frage ich mich schon, ob ich wirklich in einem Sessel sitze und auf dem Laptop diesen Text tippe, oder ob das Tippen was mit mir macht. Oder ist es der Text, der mich benutzt, damit er geschrieben wird? Sie könnten  alternativ auch Chan-Menschen fragen, da bekommen Sie wahrscheinlich noch nebulösere Antworten.

Aber das sind verdammt gute Fragen. Wirklich gute Fragen. Sie sind zwar für den normalen „gesunden Menschenverstand“ keine Überlegung wert, aber wer bindet mir die Schuhe zu, wenn es mich gar nicht gibt? Weil ich ja tatsächlich aus ziemlich viel Nichts bestehe. Und der Stuhl, auf dem „ich“ sitze, besteht  letztlich auch aus Nichts. Also der Unterschied ist wirklich nicht groß. Aber was sind wir dann, der Stuhl und Ich?

Und da es uns Menschen ja auch einmal nicht gab, sondern nur Qantenpampe, wie ich es immer nenne, aus der sich dann irgendwann organische Materie und danach Bakterien, Amöben, Einzeller und so fort entwickelt haben, dann liegt es wohl auf der Hand, dass „unsere“ Intelligenz schon in der Quantenpampe vorhanden gewesen sein muss. Oder so. Das mit dem Urknall ist ja so eine Sache, das sehen viele Wissenschaftler heute anders, aber so kurz danach war alles in einem scheinbar winzigen Raum komprimiert vorhanden. 

Wenn Sie einmal darüber nachdenken, dann werden Sie mir vielleicht zustimmen, dass das mit Raum und Zeit und so einigen anderen „sicheren“ Orientierungsparametern so eine Sache ist. Nur was passiert eigentlich mit „mir“, wenn es mich tatsächlich nicht wirklich gibt? Was mache ich, wenn alles nur eine Illusion und alles ganz anders ist, als wir es wahrnehmen? Was soll ich dann tun? Eine sehr gute Frage! Jedenfalls nicht den Kopf in den Sand stecken, das bringt nichts.

Aber man kann sich den Satz von Alan Watts zu Herzen nehmen und dieses „Spiel“ ganz ernsthaft spielen. So wie Kinder, nur mit dem Wissen eines Erwachsenen. Ganz ernsthaft spielen. Für mich heißt das vor allem damit aufzuhören, mich mit irgendwelchem Schwachsinn abzulenken und zuzudröhnen.  Das Spiel braucht wirklich Ernsthaftigkeit, Konzentration, Achtsamkeit und Einfachheit. Einem Kind kommt es nicht darauf an, dass es ein schönes Jäckchen anhat, das will einfach nur spielen. Vorausgesetzt, es will nicht die Erwartungen seiner Eltern bedienen. Natürlich hat auch ein Kind Schmerzen, wenn ihm etwas wehtut, aber es leidet nicht. Kinder, vor allem kleine, leben ganz im Hier und Jetzt. Und das sollten wir auch tun oder es zumindest lernen, es wieder zu tun.

Ja, das Leben ist ein Spiel. Definitiv. Nur das muss man kapieren. Kürzlich sah ich das Foto eines Elefanten, der ein Löwenjunges auf seinem Rüssel zu einer Wasserstelle trug, da es am Verdursten war. Und die Löwenmama marschierte nebenher. Vielleicht ein Fake. Aber es gibt viele solche Geschichten. Etwa das Video, das einen Jaguar zeigt, der eine Äffin jagt, die vielleicht vor Todesangst ihr Junges gebiert, weil sie spürt, dass das Affenbaby sonst auch sterben wird. Und dann versucht der Jaguar dieses Junge zu versorgen! Kaum ein Mensch käme auf eine solche Idee! Oder aber nur zu sehen, wie eine Kuh Ball spielt und ihr das ganz offensichtlich Spaß macht!

Da fragt man sich sofort, warum Tiere andere Tiere fressen. Und andere wiederum Pflanzen, die ich auch für Lebewesen halte. Tja, so läuft das Leben nun einmal, ein einziger Kreislauf. Organisches braucht eben Organisches, um existieren zu können. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Das ist so. Aber wir dürfen nicht übersehen, dass sich Tiere nur dann fressen, wenn sie Hunger haben. Sonst nicht, sonst spielen sie auch miteinander oder lassen sich in Ruhe. Was übrigens einiges über uns Menschen aussagt. Alles, was mit unserer speziellen „Nahrung“ zu tun hat, ich rede hier übrigens von Wirtschaft, aktiviert die Bereitschaft zu Töten in uns. Wir haben ständig „Hunger“, und dafür bringen wir eben auch andere um und führen deswegen Kriege.

Also sollten wir vielleicht doch einmal anfangen, dieses Spiel des Lebens wirklich zu verstehen und ganz ernsthaft zu spielen.