Kleider machen Leute

Und Kommitment macht Gemeinschaft.

Wussten Sie, dass Menschen besser Mathe-Aufgaben lösen können und bessere Intelligenztests abgeben, wenn sie nicht in Badekleidung, sondern für einen Opernbesuch gewandet sind? Und dass sich Kreativität am besten vor einem leeren Schreibtisch mit nur einem Stück Papier und einem Stift entfaltet?

Und haben Sie sich einmal überlegt, warum immer mehr Menschen von Einfachheit sprechen, wollen sie zu sich kommen? Nein? Dann lesen Sie einmal das Buch ‚Muscheln in meiner Hand‘ von Anne Morrow Lindbergh. Dieses Buch hat mich so fasziniert, weil es deutlich macht, dass man diesen idealen Zustand im Alltag schwer halten kann, wenn man nicht ganz konkret etwas dafür tut.

Ob einzelne Menschen, Paare, Gruppen, Verbände oder Firmen – das (gemeinsame) Anliegen an sich selbst ist das, was sie ausmacht. Ausnahmslos alle. Über sexistische Witze kann nur der lachen, der selbst sexistisch gestrickt ist. Mir wurde das einmal sehr bewusst bei einer Vorstellung von Markus Barwasser – Erwin Pelzig. Da stand er mit seinem Hütchen und Handtäschchen, und alles bog sich vor Lachen. Nur meiner Frau und mir verging mit einem Schlag das Lachen, als wir nämlich begriffen, dass die ganz normale und selbstverständliche Realität das Thema war. Wir waren mit einem Schlag nüchtern geworden.

Und so ist es mit verdammt vielen Dingen. Wir lachen oder reden ganz selbstverständlich drüber und merken oft nicht wirklich, was wir da tatsächlich tun. Nun, könnte man denken, das schadet doch niemandem! Doch, tut es. Nämlich einem selbst. Ich stieß kürzlich auf ein sehr spannendes Video von und mit Gerald Hüther. Das Kernthema: Würde. Würde ist nämlich ein komisches Ding. Man kann tatsächlich niemandem die Würde nehmen – man denke nur an Nelson Mandela! -, nein, das kann man nicht. Man beschädigt nur seine eigene Würde, wenn man andere heruntermacht, über sie lästert und so weiter und so fort.

Und damit bin ich wieder am Anfang. Was ist das gemeinsame Anliegen? Das ist meist schnell klar. Etwa warum ein Paar zusammen ist oder eine Gruppe. Regeln sind meist auch schnell gefunden. Doch etwas wird ganz oft vergessen: Die Kleidung. Das Kommitment. Klar, man geht höflich miteinander um. Respektvoll. Rücksichtsvoll. Auch mit denen, die nicht dabei sind. Und so weiter und so fort. Dahinter steckt etwas ganz anderes als ein moralischer oder ethischer Anspruch. Es ist dieser Gedanke von Albert Einstein, der diesen Überlegungen zugrunde liegt: 

Er (der Mensch) erfährt sich, seine Gedanken und Gefühle als etwas, das ihn von den anderen trennt, aber dies ist eine Art optischer Täuschung des gewöhnlichen Bewusstseins.

Diese Täuschung ist wie ein Gefängnis, das unsere persönlichen Wünsche und unsere Zuneigung auf einige wenige Menschen beschränkt, mit denen wir näher zu tun haben.

Doch was bedeutet das? Wenn es weder Subjektivität noch Objektivität gibt – und Quantenphysiker sind sich da vollkommen einig! – wenn das also so ist, was bedeutet das für uns? Schrödinger etwa sagt, dass wir das im täglichen Leben ‚aus praktischen Gründen‘ zwar tun, aber  wir sollten dies im philosophischen Denken aufgeben. Und das heißt vor allen Dingen im Umgang mit anderen.

Die Welt gibt es nur einmal, nicht eine existierende ‚und‘ eine wahrgenommene Welt. Wenn es zwischen Subjekt und Objekt, also auch zwischen mir und dem anderen, keine Schranke gibt, nicht weil sie weggefallen wäre, sondern weil es sie nie gab und nicht gibt, was bedeutet das dann für mein Verhalten dem anderen gegenüber? Damit wird der Gedanke von Gerald Hüther verständlich, dass, werte ich einen anderen ab, ich nicht ihn, sondern mich selbst entwürdige.

Also was ist das gemeinsame Anliegen? Etwa einen Ausflug zu machen. Weil alle gerne wandern. Aber genügt das? Ich denke nicht. Und auch die beste Idee wird eine Firma oder eine Gruppe nicht erfolgreich werden lassen, wenn die berühmte Chemie nicht stimmt. Und genau da beginnt das eigentliche Problem. Die Chemie kann scheinbar stimmig sein, obwohl sie falsch ist. Nur sie wird eben nicht als falsch empfunden, wenn alle Beteiligten sie als richtig ansehen. Dumm gelaufen, möchte man da sagen. Aber man kann nun einmal niemanden zu seinem Glück zwingen. Obwohl, eigentlich ist das ja erfreulich. 

Nur blöd, wenn das Kommitment einfach nicht passt. Ein Beispiel sind die Hells Angels. Es gibt gewalttätige und friedfertige, doch alle haben die ein und selben Regeln. Aber eben nicht das selbe Kommitment. Es ist die Frage, wie weit man seinen Zugehörigkeitskreis zieht. Je enger der Kreis, desto weltfremder wird es. Das andere ist, dass wir in einer Welt der Konvention leben. Also die meisten. Scott Peck hat das sehr gut beschreiben. Oder Nikolaus Gerdes in seinem Text „Der Sturz aus der normalen Wirklichkeit und die Suche nach Sinn“.

Das alles mag nach sehr viel Theorie klingen, ist es aber nicht. Denn alle Menschen leben und handeln der Wirklichkeit entsprechend, so wie sie wirklich ist. Doch sie sehen das nicht, sie sind sich dessen nicht einmal bewusst und übertragen das nicht auf das ganze Leben. Ein echtes Dilemmata. Doch wie soll man da rauskommen, wenn man nicht bereit ist, wenigstens darüber nachzudenken. Und miteinander zu reden. Aber ernsthaft.