Kontrolle ist nicht gleich Kontrolle!

Und wieder einmal macht die Intention den Unterschied.

Gerade habe ich diesen Satz von Osho aus dem Internet gefischt:

Fall nicht in die alte Gewohnheit zurück, dich zu kontrollieren. Wenn du dich kontrollierst, dich zu sehr beherrschst, unterdrückst du das Leben in dir. Du stellst zu viele Bedingungen an das Leben und das Leben kann keine einzige davon erfüllen. 

Dem gibt es nichts hinzuzufügen, das ist genau so. Und auch wieder nicht. Aber wo genau liegt der Unterschied zwischen ‚richtiger‘ und ‚falscher‘ Kontrolle? Wobei man nicht übersehen darf, dass die Übergänge fließend sein können und man manchmal nicht so richtig merkt, wo genau man unterwegs ist.

Durch Kontrolle kann ich mich immer wieder überprüfen, ob ich auf dem richtigen Kurs bin. Jeder Segler weiß, das ab und zu ein Blick auf den Kompass zu werfen durchaus hilfreich sein und einen vor größeren Unannehmlichkeiten bewahren kann. Vorausgesetzt, man kombiniert den Blick auf den Kompass mit einem Blick in die Karte. Was wiederum voraussetzt, dass man die Karte richtig lesen, also richtig interpretieren kann.

Da haben Kontrolle und Disziplin durchaus ihre Berechtigung. Ganz anders ist es aber, wenn ich mich zu etwas diszipliniert will, was unsinnig ist. Magersüchtigen sind ja absolute Experten in Selbstdisziplin und Selbstkontrolle. Nur, ob da die richtige Intention dahinter steht? Doch wer sagt einem, was sinnhaft ist und was nicht? Das ist wirklich ein Problem. Denn das kann einem ja niemand sagen, nur man selbst kann es.

Und das braucht manchmal Mut, den Mut, sich für das Richtige zu entscheiden. Doch das ist manchmal leichter gesagt als getan. Wenn man sich nämlich für etwas entscheiden will, muss man sich auch gegen etwas entscheiden. Doch das wird leicht übersehen, weil das Falsche im Leben oft so selbstverständlich geworden ist, dass man es gar nicht mehr merkt und sich demnach auch nicht dagegen entscheiden kann, einfach weil man es nicht als relevant wahrnimmt.

Und damit komme ich wieder zurück zu meinem Beispiel mit der Karte und dem Kompass. Will ich mein Leben ändern, muss ich mich gegen Altes entscheiden. Und das ist schwierig, da rebelliert dann das Netz der Gewohnheiten. Und die Amygdala schreit ständig wie am Spieß und wittert hinter allem Unbekanntem weil Neuem eine Gefahr. Sicherheitsterror vom Feinsten, der einem das Leben so richtig vermasseln kann. Aber das haben Entscheidungen nun mal so an sich.

Wenn man nicht weiß, wie man idealerweise dagegen steuert. Also bitte immer mit Kompass und Karte! Also überlegt man sich, wie genau das Leben ausschauen soll. Am einfachsten orientiert man sich an bekannten Lebensentwürfen und passt die gegebenenfalls auf die eigenen Bedürfnisse an. Und dann überlegt man sich, wie man sich einen perfekt funktionierenden Kompass entwirft. Ich mache das beispielsweise dadurch, dass ich schreibe. Ich oute mich so permanent selbst und sehe an den Reaktionen meiner Freunde, ob ich noch richtig auf Kurs bin. Oder eben nicht.

Auf diese Weise tappe ich nicht in die von Osho beschrieben Falle und bleibe trotzdem auf Kurs. Man muss die Kontrolle eben auf kluge Art und Weise outsourcen. Will man die Kontrolle selbst behalten, dann wird es schwierig. Verdammt schwierig.