Kultur kann man nicht verordnen

Vertrauen, Wertschätzung, Ehrlichkeit und Offenheit kann man nur leben.

Wenn wir anderen Vertrauen, Wertschätzung, Ehrlichkeit und Offenheit entgegen bringen, dann tun wir das – oder wir tun es eben nicht. Darum sage ich auch, dass wir letztlich immer authentisch sind. Manchmal sind wir eben authentisch misstrauisch. Oder auch authentisch unehrlich. Wir sind eben, wie wir sind. Und das lässt sich nun einmal nicht verstecken.

Da hilft auch die beste antrainierte Maske und die beste gelernte methodische Kompetenz nicht weiter. Was nicht ist, ist eben nicht. Höchstens kann es passieren, dass man es nicht merkt, weil man selbst unachtsam ist und / oder sich in konventionellem Gerede verfangen hat. Man kann eben nur diejenigen reinlegen und hinters Licht führen, die genau dazu bereit sind: Sich reinlegen und hinters Licht führen zu lassen. Viktimologie nennt man das.

Aber was kann man tun, wenn man, etwa durch eine Mitarbeiterbefragung, herausbekommen hat, dass einem genau das fehlt: Vertrauen, Wertschätzung, Ehrlichkeit und Offenheit? Es gibt, wie so oft, eine gute und eine schlechte Antwort. Die schlechte ist, dass man all das nicht lernen, sich nicht aneignen kann. Kultur, und darum handelt es sich, lässt sich eben weder lernen noch vom Chef verordnen. Die gute Nachricht ist, dass man dem keineswegs hilflos ausgeliefert ist, so nach dem Motto ‚Einmal falsch, immer falsch‘. 

Es beginnt damit, dass man sich selbst eingesteht, wie man nun einmal ist und sich die Dinge nicht zurecht legt und auch nicht schön redet. Und dass man sich dann fragt, warum man ist, wie man ist. Manchmal hilft das, weil einem Zusammenhänge sehr schnell bewusst werden. Manchmal genügt es auch, sich einfach nur dessen bewusst zu werden, welche Empfindungen man hat, etwa, wenn man anderen misstraut. Doch man muss sich sehr vor Rechtfertigungen hüten. Die sind definitiv kontraproduktiv. Und dann sucht man sich einen guten Coach oder Therapeuten, oft tun es auch Freunde, die kein Blatt vor den Mund nehmen, und spricht die Dinge offen und ehrlich an.

Das ist nämlich der Schlüssel. Man muss genau das sein, was man sein will. Offen und ehrlich. Vertrauen und Wertschätzungen kommen dann von ganz alleine. Denn niemand kann andere wertschätzen und vertrauen, der sich selbst weder wertschätzt – was nicht heißen soll, sich ständig einreden zu sollen, wie toll man wäre – und kein Vertrauen in sich selbst hat.

Wie gesagt: Vertrauen, Wertschätzung, Ehrlichkeit und Offenheit kann man nur leben.