Kultur

Worüber sich wirklich lohnen könnte, einmal nachzudenken.

Was wir tun und wie wir denken, also das, was uns ausmacht, ist ja festgelegt in einem ganzen Portfolio von Ritualen. Die sind uns nur leider selten wirklich bewusst und noch seltener werden sie auch reflektiert. Und manchmal bis oft haben wir auch konventionelle Rituale, etwa Höflichkeit, die aber mit anderen, nicht so deutlich ausgedrückten Ritualen, etwa, dass man bestimmte Menschen einfach nicht abkann, nicht so wirklich im Einklang stehen.. Und da kommt man dann schon mal schnell ins Schleudern.

Wie wir zu „unseren“ Ritualen kommen ist unerheblich, entscheidend ist, dass wir sie zum einen haben und noch wichtiger ist vielleicht zu wissen, dass man solche Rituale auch wieder ändern kann, indem man sich ihrer ganz einfach bewusst wird. Allein dieses reine Bewusstwerden genügt vollkommen, denn dann passiert wie von Geisterhand etwas, wir richten uns automatisch selbst aus. Was aber im alltäglichen Leben bedauerlicherweise nicht so einfach ist. Denn sehr, sehr oft (eigentlich meistens) sind wir uns selbst nicht bewusst, wobei es unerheblich ist, ob wir einfach nur unaufmerksam sind oder nicht die Zeit haben, über etwas erst vorher nachzudenken beziehungsweise, uns unserer Motivation und unserer Gedanken bewusst zu werden.

Es geht dabei, wie gesagt, immer um unsere Kultur. Auch wenn wir sagen, dass jemand keine Kultur hätte, hat er ja eine, nur eben eine, die wir gerade nicht so prickelnd finden. Letztlich ist Kultur die zusammenfassende Betrachtung oder auch Bewertung der Art und Weise, wie wir uns selbst gedanklich organisieren. Was natürlich nicht bedeutet, dass wir das auch bewusst und absichtlich tun könnten, so wie wir einen PC oder auch einen Schrank „aufräumen“ können. Denn Weniges ist uns weniger bekannt wie die Funktion- und Organisationsweise unseres Gehirns, obwohl es uns doch so absolut selbstverständlich zu sein scheint. Dabei kommen die Neurowissenschaftler erst in den letzen Jahren so richtig dahinter, wie unser Gehirn überhaupt funktioniert. Und je mehr sie wissen, desto faszinierender ist es für die einen und umso mysteriöser für die anderen, was da in einem Gehirn überhaupt so abgeht. Dabei spielt auch die Frage eine nicht unbedeutende Rolle, ob unser Gehirn überhaupt der Sitz von Bewusstheit und Intelligenz oder eher nur so eine Art Umwandler auf unser Niveau ist. 

Aber was hat das mit Kultur zu tun? Kultur (von lateinisch cultura „Bearbeitung, Pflege, Ackerbau“) bezeichnet im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst (!) gestaltend hervorbringt. Und wen kann ich mehr oder besser gestalten als mich selbst, also mein Denken, mein Auftreten und mein Handeln? Und auch wenn ich brav tue, was man mir sagt und den gewöhnlichen Konventionen widerspruchslos folge, so bin ich es doch immer selbst, der dabei das Zepter in der Hand hat. Nur dass das vielen leider nicht bewusst ist. Ich habe also ein unsichtbares wie ein für andere sichtbares Erscheinungsbild, wobei mir selbst  meist beides (!) am wenigsten bewusst ist. Denn ich brauche mein äußeres Erscheinungsbild, um damit Rückschlüsse auf mein inneres Erscheinungsbild ziehen zu können, nur dass ich mich nun mal sehr, sehr schlecht selbst betrachten kann. Und mein Spiegelbild redet selten mit mir, dafür braucht es dann schon mehr als eine Flasche Wein.

Also ich habe definitiv eine Kultur, nur kenne ich die selten wirklich und erst recht nicht im Detail. Doch was soll ich dann tun, wenn ich mich grundlegend ändern und eine andere Kultur leben will, wenn ich die vorhandene Kultur nicht einmal kenne? Ganz einfach, indem ich sie definiere. Exakt so, wie ich meine Website gestalte, mit einem Stylesheet. Ein Stylesheet ist am ehesten mit einer Formatvorlage zu vergleichen. Grundidee hierbei ist die Trennung von Information (Daten) und Darstellung. Das Programm, das das Stylesheet auswertet, interpretiert die zugewiesenen Daten (Text, Tabellen, Grafiken etc.) und formatiert sie (z. B. für die Bildschirmausgabe) entsprechend den vorgegebenen Regeln. Und auf die gleiche Art und Weise können wir auch unsere Reaktionen auf das gestalten, was uns im Leben begegnet. Das bedeutet natürlich nicht, wie ein Zombie herumzulaufen, denn das definiert ja definitiv keine Handlung, sondern „nur“ die Prinzipien, nach denen sich dann unsere Handlungen ausrichten. Einen Schrank aufzuräumen ist eine Handlung, doch wie ich ihn aufräume, das definiert sich über ein oder auch mehrere Prinzipien.

Prinzipien sind ja nur die Grundsätze, den jemand seinem Handeln und Verhalten zugrunde legt. Es sind allgemeingültige Regeln und bestimmte Ideen, nach denen das eigene Leben „abläuft“ beziehungsweise „ablaufen soll“. Habe ich eine bestimmte Vision und ein Kata für mein Leben, wie etwa Bewusstheit, Klarheit, Einfachheit und Wesentlichkeit, dann helfen mir die entsprechenden Prinzipien, immer auf Kurs zu bleiben. Und so wird mit Hilfe klar definierter Prinzipien letztlich eine eindeutige Haltung und damit eine entsprechende Kultur.

Und exakt das ist das Ziel. Doch es geht noch weiter. Prinzipien und auch Kultur existieren nicht im luftleeren Raum, heißt, sie brauchen einen Kontext, um existieren zu können. So wie Wein seine Bedeutung als Wein verliert, wenn es kein Glas, keine Flasche oder ein anderes Gefäß gibt, in dem der Wein aufbewahrt werden kann. 

Ohne den passenden Kontext bleiben auch wertvolle und grundsätzlich stimmige Dinge völlig wertlos.