Lasst uns ausschwärmen!

Ein Thema, bei dem man echt ins Schwärmen kommen kann.

Das Erste, was mir bei dem Thema einfiel war, ob zwei und zwei nicht doch sechs ergibt. Oder vielleicht eher sieben? Auf dieses Thema kam ich, als ich in einem Film einen Vogelschwarm sah. Faszinierend, obwohl das die Vögel wohl eher nicht interessiert haben dürfte. Die hatten mit Sicherheit ein ganz anderes Interesse, so zu fliegen.

Das Wichtige (für uns Menschen) ist vielleicht, dass das ohne Führer und Leithammel funktioniert. Anders als bei einer Gorillahorde mit einem Silberrücken, der die Nebenbuhler auf Distanz hält und sich ständig auf die Brust klopft. Warum aber machen es die einen so und die anderen anders? Ich denke, das sind ganz simple ökonomische Gründe. Wie garantiere ich das Überleben (also erst einmal meines) am optimalsten?

Obwohl uns, also allen Lebewesen, das Thema ‚Schwarm‘ von Natur aus definitiv am nächsten und auch am liebsten ist. Unser Gehirn ist nämlich exakt so organisiert. Aber zurück zu den Vögeln. In einem Schwarm hat ja ein Vogel nur die in seinem direkten Umfeld im Blick und danach richtet er sich. Eigentlich eine ziemlich chaotische Angelegenheit. Das mag vielleicht elegant aussehen, wie aber verfolgt man da einen gemeinsamen Sinn?

Da drängt sich einem der Verdacht auf, dass es da etwas gibt, so eine Art Intelligenz, die über den Einzelnen hinausgeht. Auf das Thema kam ich nämlich, als ich heute früh im Bett lag und darüber nachdachte, was eigentlich bleibt, wenn ich gestorben bin. Macht schon Sinn, sich ab und zu mit dem eigenen Tod zu beschäftigen!

Ich bin noch immer hin- und hergerissen zwischen der Annahme, dass solche Strukturen alleine Ergebnis eines sich selbst organisierenden Prozesses sind, wofür einiges zu sprechen scheint, und der Tatsache andererseits, dass Elementarteilchen Information mit sich rumschleppen. Also die haben definitiv auch noch ein Wörtchen mitzureden.

Hat Albert Einstein recht oder nicht, könnte man sich da fragen. Schließlich hat er es so gesehen: ‚Es sieht immer mehr so aus, als ob das ganze Universum nichts anderes ist als ein einziger grandioser Gedanke.‘ Oder ist doch alles nur ein mehr oder weniger mechanischer Prozess? Schließlich lernen (!) ja auch Computer (fast hätte ich geschrieben ‚intelligente‘), ohne dass man es ihnen beibringt, besser Go zu spielen als ein Mensch. Aber der Computer ist selbst auch nicht drauf gekommen, wie er sich bauen kann. Der Stein des Anstoßes liegt woanders. Und wenn ich die nicht-menschliche Natur so betrachte, dann folgt die ja einer Ordnung, die sich von schreibt. Selbstorganisation hin, Selbstorganisation her.

Ob das bei dem Kosmos auch so ist? Wer weiß? Also ich weiß es nicht, ich kann nur so etwas wie voller Hochachtung den Mund nicht mehr zu bekommen. Ja, man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Aber egal, ob es eine über den einzelnen Vogel hinausgehende Intelligenz gibt oder nicht, im Schwarm zu denken ist einfach clever. Nein, es ist wesentlich cleverer. Wesentlich klüger als sich wie eine Gruppe Gorillas zu organisieren. Da besteht nämlich ein elementarer Unterschied: Wir leben, anders als Gorillas, in einer zunehmenden Vernetzung.

Und das sollten wir endlich einmal begreifen. Und aufhören, uns wie Gorillas zu benehmen. Auch wenn diese Silberrücken wirklich beeindruckend sind. Wie heißt es doch: ‚Schee wars scho, ober brauchn demmers net.‘ Nochmals Affen: Von den Bonobos weiß ich, dass die sich ganz anders organisierten, bis ihre natürlichen Feinde ausstarben und sie von den Bäumen runter kamen. (Auch wieder so ein passender Vergleich zu uns Menschen!) Das veränderte ihre wirtschaftliche, ökonomische Situation. Und mit der neu gewonnenen Freiheit konnten sie sich anders organisieren.

Sehr zum Leidwesen der Männchen, die konnten mit einmal die Weibchen nicht mehr dominieren, weil die sich jetzt zu Gruppen zusammen tun konnten und so einem Macho-Männchen zeigen konnten, wo der Bartel den Most holt. Vielleicht erleben wir ja gerade das letzte verzweifelte Aufbegehren der menschlichen Männchen? Und ist es auf der nationalen Ebene nicht das selbe Spiel? Krampfhafte Versuche, die Macht zu erhalten, die ihnen wie Sand durch die Finger rinnt?

Also, würden wir Menschen uns wie ein Schwarm organisieren, wären wir zumindest als Ganzes intelligenter als nur ein Verbund Einzelner. Ob darüber hinaus eine das Ganze noch übersteigende Intelligenz dazu käme? Da beliebt nur eins: Ausprobieren! Machen! Schließlich macht es unser Gehirn ja genau so. Seien wir uns also endlich einmal selbst ein Vorbild!

Da könnte man wirklich glatt ins Schwärmen kommen! Sich selbst ein Vorbild sein! Hat was, oder nicht?