Mein Weltbild, mein Selbstbild und ich

Finger weg! Nicht anfassen!

Unser Welt-und Selbstbild und damit unsere Integrität, Individualität und unsere Würde sind, so schon das Grundgesetz, unverletzlich. Also Finger weg, aber zügig!

Kürzlich bin ich gedanklich ein bisschen ins Stolpern geraten, als ich einen Artikel über Würde las. Darin wurde unter anderem ausgeführt, dass man den Kreis der (eigenen) Würde eng fassen müsse. Nur so könne man eine Haltung definieren, die im eigenen Leben einen scharf abgezirkelten Bereich beschreibt, der all das umfasst, was nicht verhandelbar ist.

Ich hingegen denke, dass man ‚Würde‘ so nicht definieren kann, dafür muss man schon eine Ebene höher gehen. Wie sagt doch Einstein ganz zu recht? Ein Problem lässt sich nicht auf der Ebene lösen, auf der es sich auswirkt. Das zu versuchen hieße das Symptom mit der Ursache zu verwechseln.

Will man also über Würde reden, muss man über das dem zugrundeliegende Welt- und damit über das eigene Selbstbild wie das eigene Selbstverständnis reden. Doch damit fangen die Probleme erst so wirklich an. Das Universum und die Welt existieren fraglos. Wie auch immer, sie tun es. Und ich selbst existiere auch. Ob als Welle, als Phänomen, als Idee oder als etwas real Existierendes, das mag dahinstehen. Also Universum und ich existieren in diesem Sinne absolut.

Habe ich oder mache ich mir ein grundsätzlich falsches Bild von dem Universum, gehe ich also von unzutreffenden Annahmen über ‚die‘ Wirklichkeit aus, dann ist das auch gleichermaßen absolut falsch, ohne irgendwelche Hintertürchen, mit den entsprechenden, oft fatalen Folgen für die Welt, die ich eben ‚falsch‘ interpretiere und mich auch dementsprechend ‚falsch‘ verhalte. Und mit dem ‚Ich‘ ist es exakt das Selbe.

Reden wir also über irgend ein wichtiges und gar grundsätzliches Thema, dann erinnert das schnell an die Sparkassenwerbung ‚Mein Haus – mein Auto – mein Boot!‘; einfach deshalb, weil jedes Infragestellen immer bis auf den Grund ‚durchschlägt‘: Meine Meinung, meine Würde, mein Selbstbild! Darum lieben so viele auch das letztlich unverbindliche Gespräch, das sich an die Regeln der Konvention hält, denn das bewahrt einen davor, dass das eigene Welt- und Selbstbild und damit die eigene Würde angegriffen werden könnte.

Also nehme ich mir die Quintessenz aus der Transaktionsanalyse zu Herzen, so wie ich es verstanden habe und spiele das falsche Spiel einfach nicht mehr mit. Also keine Konvention mehr. Und ich habe auch kein Problem mehr damit, wenn jemand mein eigenes Welt- und Selbstbild in Frage stellt. Ich denke nämlich quantenphysikalisch. Legt sich mir ein Stein in Form einer anderen Meinung in den Weg, fließe ich einfach wie Wasser drum herum. Denn ein beständiges ‚Ich‘ gibt es für mich nicht, ich bin ein Prozess, der so lange im Fluss ist, so lange er lebt.

Versuchen Sie mich doch einmal anzufassen und zu attackieren! Sie werden nichts zu fassen  bekommen. Da ist keiner, der zu packen wäre. Also jedenfalls meistens. Darum muss ich immer auf der Hut sein und nicht  statisch werden. Wenn wir wirklich im Fluss sind, finden wir immer, wirklich immer, unseren Weg. Manchmal dauert es ein wenig, bis man sich ein neues Flussbett gegraben hat. Aber welcher Stein hält auf Dauer dem fließenden Wasser stand?

Also dann:  Versuchen Sie es doch einmal! Und wenn es Ihnen gelingen sollte, meine Würde anzukratzen, dann weiß ich, was ich tun muss.