Meine, deine, unsere Welt? Oder gar eine?

Nur eine Frage der Perspektive und des Verständnisses.

Keine Frage, Menschen machen manchmal einen gewaltigen Mist, der anderen auch ziemlich schadet. Manchmal sogar sehr. Das ist nicht zu rechtfertigen. Und das zu verdrängen macht es nur noch schlimmer. Aber wir dürfen nur die Tat verurteilen, nicht den Menschen. Das gebietet uns unsere Würde. 

Wir Menschen haben alle eines gemeinsam: Wir sind Menschen. Wir kommen nicht als Christen, Juden, Muslime, Hindus oder was weiß ich auf diese Welt. Das werden wir erst in unserer Sozialisation, aber letztlich sind wir Menschen. Es ist nicht unser Menschsein, das uns die falschen Dinge tun lässt, sondern unser Denken. Das aber sind wir nicht, das haben wir uns angeeignet. Oder angeeignet bekommen. Wie auch immer. Und darum können wir das auch wieder ändern.

Als Mediator habe ich das oft erlebt. Ich konnte irgendwann die Sichtweisen beider Seiten verstehen. Deren Interessen und Ansprüche waren meist nachvollziehbar und verständlich, wenn man die andere Seite ausblendet, aber sie waren mit denen der anderen Seite einfach nicht vereinbar. Zumindest scheinbar. Bis man den Dingen ganz auf den Grund geht.

Aber eigentlich bräuchte man nur in die Welt hinauszuschauen. Da zeigt sich uns, wie alles miteinander interagiert. Das andere ist der Einfluss des Menschen. Genauer seines Denkens. Ich war kürzlich mit dem Motorrad unterwegs und schaute von einer Burgruine in die Landschaft. Traumhaft. ‚Was für eine schöne Welt‘ dachte ich. Und ich fügte in Gedanken gleich hinzu ‚Wenn keine Menschen da sind‘.

Aber wenn ich die Welt aus der Perspektive eines Astronauten betrachte, dann graust es mich. Wir sind  definitiv dabei diese Welt kaputt zu machen. Aber warum nur machen wir das? Weil wir oft etwas nicht sehen oder nicht berücksichtigen in unseren Überlegungen, dass nämlich die Welt ein Lebewesen ist. Es ist unser Denken, das uns blind dafür gemacht hat, dafür dass es nur eine Welt gibt. Und die gehört niemandem, die gehört sich. Und genau so sollten wir auch miteinander umgehen.

Und der Hass auf „die Anderen“, das ist doch nichts anderes als eine Projektion des eigenen inneren Widerspruchs. Weil man tief in seinem Herzen weiß, dass man das Falsche macht. Aber das verdrängt man, verbirgt es hinter seiner Abneigung. Und seinem Hass. Und dabei ist es einfach, das aufzulösen, wir brauchen nur die Welt nicht mehr fragmentiert zu denken, sondern einfach nur differenziert. 

Das soll alles sein? Ja, das ist alles. Es ist eben eine Welt. Nicht meine und nicht deine, es ist unsere Welt. Die gehört niemandem und allen zugleich. Das verstehen und denken zu lernen, das ist nicht nur unsere Lebensaufgabe, sondern es ist die einzige Chance, die wir haben, wollen wir uns nicht gegenseitig umbringen.