Miteinander reden – aber wie?

Konsensual und dialogisch! Wie auch sonst!

Zu jeder Kommunikationsform gehört eine ganz spezifische Haltung, die wiederum einem ganz spezifischem Welt- und Selbstbild entspringt. Verstehe ich die Welt als Körper eines Lebewesens und mich selbst als eine Zelle darin, eigenständig, interdependent und das Ganze bedingend und von ihm bedingt, dann denke ich, dass mein demokratisches Selbstverständnis an seine Grenzen stößt.

Man möge es mir nachsehen, aber Demokratie hatte ich schon immer recht kritisch gesehen, denn zu oft habe ich erlebt, dass es die Diktatur der Mehrheit wurde. Wenn 51% etwas für richtig halten – ist es das dann auch? Wenn mir mein Arzt sagt, dass die Therapie, die er mir vorschlägt, mit 51 prozentiger Sicherheit anschlägt, dann würde ich mir auf der Stelle einen anderen Arzt suchen. Oder feststellen, dass er wohl keine Ahnung hat, was mir wirklich helfen würde.

Andererseits ist Demokratie die beste Gesellschaftsform, die wir gerade kennen. Aber ist das ein Grund, dabei stehen zu bleiben und nicht doch nach den Sternen zu greifen? In den letzten jähren hat sich unser wissenschaftliches Weltbild gewaltig geändert, man kann mit Fug und Recht von einem Paradigmenwechsel sprechen. In der Gesellschaft hat sich das noch nicht durchgesetzt, aber es kommt so langsam durch. Setzt es sich letztlich doch nicht durch, dann brauchen wir uns keine weiteren Gedanken zu machen, dann wird es uns mittelfristig nicht mehr geben.

Also zurück zu meinem Körper. Da gibt es verschiedene Organe mit unterschiedlichen Aufgaben, die aber alle notwendig und unverzichtbar sind. Also ist jeder Mensch, so wie jede Zelle auch, von allen anderen differenziert, um eine spezifische Aufgabe wahrnehmen zu können. Dabei verfügt jede Zelle über das gesamte Wissen des Körpers und spezialisiert sich dann aufgrund seiner Position. Organisiert wird das Ganze durch ein selbstorganisatorisches Prinzip.

In meinem Körper gibt es auch Kämpfe, aber nicht gegen den Körper, sondern nur gegen das, was ihn von außen angreift. Wobei ich das nicht mehr wirklich als eine kriegerische Vernichtungsschlacht ansehen kann, sondern als zwei gegensätzliche Aspekte, die sich in einem übergeordneten Aspekt zu versöhnen suchen. Ich merke mal wieder, ich habe wirklich große Sehnsucht nach einer neuen, besseren Sprache.

Also gibt es auch in meinem Körper unterschiedliche und sich entgegenstehende Interessen, so eine Art ‚Double Bind‘, wobei jeder Aspekt durchaus seine Berechtigung hat und nach einem Konsens gesucht werden muss, um den Konflikt aufzulösen. Aber wie macht das mein Körper?

Erst einmal dialogisch. Jedenfalls meistens, wenn nämlich nicht, habe ich ein gewaltiges Problem. Sowohl auf der ‚körperlichen‘ wie auf der ‚psychischen‘ Ebene, wobei das von einander zu trennen Unfug ist. Darum gehe ich am liebsten auch zu meinem TCM Arzt. In dem TCM-Verständnis vom Menschen gibt es diese Trennung ja nicht. Also müssten wir uns erst einmal klar darüber werden, was von unseren gedanklichen Konzepten überhaupt stimmig sein kann.

Der nächste Schritt wäre Entscheidungen allein im Konsens zu treffen. ich glaube, das ist eine wirkliche Kröte. Grundsätzlich ist das ja klar. Aber wie umsetzen? Ich denke, darüber muss man reden, was uns bisher daran gehindert hat, so miteinander zu kommunizieren. Dialogisch, um im Konsens zu einer Entscheidung kommen.

Damit würde es wohl beginnen. Denn weder Dialog noch Konsens haben den Anspruch, fertige Lösungen zu präsentieren. Selbstorganisation eben. Aber Stop bitte. Noch mal von vorne. Wenn die Analogie mit dem ‚Körper‘ stimmt, dann weiß ich ja alles, was ich wissen muss! Ich brauche also nichts mehr zu lernen, sondern muss nur den zivilisatorischen Ballast abwerfen, den ich mir angeeignet habe. Erinnert mich frappant an den ‚Der Sturz aus der normalen Wirklichkeit und die Suche nach Sinn‘ von Nikolaus Gerdes.

Also dann. Aufräumen!

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