Mu!

Weder dies noch das …

Manchmal hängen wir in einem Problem fest, weil wir nicht in der Lage sind, tief genug zu schauen. Also ich jedenfalls.

Eines dieser ‚Probleme‘, das mich gerade umtreibt, ist Folgendes: Die Quantenphysik prägt unseren Alltag, meist ohne dass sich die Nutzer dessen auch bewusst wären. Der Text, den ich gerade auf meinem Laptop schreibe, ist ja ein Beispiel dafür. Ohne die Erkenntnisse der Quantenphysik würde ich noch immer auf einer Schreibmaschine in die Tasten hauen. Und Alexander Gerst würde nur davon träumen, mit der ISS um die Erde zu kreisen.

Soweit noch kein Problem. Ein Problem aber sehe ich darin, dass nur sehr wenige das in ihr tägliches Leben gedacht haben, so wie Einstein und andere es uns dringend ans Herz gelegt haben. Obwohl, weniger an das Herz, eher an den Verstand. Denn sie meinen, wir sollten endlich anders denken und begreifen, dass die Wirklichkeit nicht das ist, was unsere Wahrnehmung uns zu sagen scheint. Was wir sehen ist eben nicht die Wirklichkeit.

Dass die Wirklichkeit ganz anders ist, als wohl die meisten glauben, ist aber nicht das eigentliche Problem. Sondern dass sie das einfach nicht wahrhaben wollen. Das halte ich für ein Problem. Ich glaube nämlich, dass wir uns schlagartig ganz anders verhalten und als Menschheit ganz anders organisieren würden, wenn wir uns als das zwar in sich differenzierte, aber doch als Eines wahrnehmen würden. Oder könnten. Nicht eine Menschheit, sondern eine Welt. Na ja, eigentlich auch nicht, sondern ein Universum.

Alles, was ein Mensch richtig tun will, ist leider letztlich immer noch ineffektiv und damit nicht wirklich dauerhaft hilfreich, solange er in der durch ein falsches Verständnis von der Welt erzeugten Illusion fest steckt, bedingt durch eine unzutreffende Wahrnehmung. Was ja an und für sich kein Problem wäre, wenn dadurch nicht Leid erzeugt würde. Unsägliches und für mich selbst schwer vorstellbares Leid. Also will ich das ändern. Aber wie? Fakt ist, dass unsere gegenwärtigen rationalen Denkweisen die Gesellschaft nicht weiter bringen. 

Wir wollen zwar eine bessere Welt, aber dafür müsste auch jeder anders denken. Zumindest eine ordentliche Mehrheit. Die Ursache unserer gegenwärtigen sozialen Krisen ist eine Art genetischer Defekt in der Natur unseres Verständnisses der Rationalität. Und solange dieser genetische Defekt nicht beseitigt ist, werden die Krisen andauern. Und nur wenn wir diesen Defekt beseitigt haben, können wir darüber nachdenken, was zu tun Sinn machen könnte. Aber das ist irgendwie in weiter Ferne, befürchte ich. Erst dann kümmern wir uns nicht mehr nur um Symptome, sondern um die wirklichen Ursachen.

Und genau das ist mein Problem, denn ein Problem ist es für mich ja nur deswegen, weil ich damit nicht umgehen kann. Sonst wäre es keines, denn dann wüsste ich, was ich tun kann beziehungsweise, wie ich damit umgehen soll. Eindeutiger Fall von Mu. Ignorieren? Kann ich nicht angesichts des Leids, für das die falsche Wahrnehmung der Wirklichkeit (mit) ursächlich ist. Alle anranzen, die die Wirklichkeit nicht sehen, wie sie wirklich ist? Wobei das niemand so genau weiß, aber so wie sie aktuell mehrheitlich gesehen wird, scheint sie wirklich nicht zu sein. Also alle anranzen geht auch nicht. 

Ich sag doch, ein eindeutiger Fall von weder dies noch das. Beides ist richtig. Aber was ich tun kann, soll oder muss, das weiß ich noch nicht so genau. Blöd. Verdammt blöd.