Offene Fragen 

Was ist der Ursprung des Universums? 

Woher kommen die Naturgesetze und Naturkonstanten? Das steht außerhalb unserer (wissenschaftlichen) Erkenntnisfähigkeit. Es ist eine offene Frage. Eine weitere, offene Frage ist die Rolle des (objektiven) Zufalls in der Quantenphysik sowie das Problem der unfassbaren Menge an Information, um chaotische deterministische Evolution definieren zu können.

Für manche vielleicht überraschend ist, dass, nimmt man diese Fragen an und lässt sie offen, versucht sie also nicht mit irgendwelchen mystizistischen Theorien zu füllen, sich daraus Antworten für das konkrete Leben ergeben.

Ich selbst bin ja wie alles andere auch Kosmos. Die Frage ist also, wie lebe ich mit diesen offenen Fragen? Bewegt sich mein Leben wie ein Pendel oder doch eher wie ein Doppelpendel? Auf der einen Seite sind wir in mechanische Prozesse eingebunden, die relativ gut berechen- und kalkulierbar sind, entsprechen der inneren Kreisbewegung des ersten Pendels, andererseits aber sind die Akteure, also wir Menschen, so unberechenbar wie die Bewegung des Endpunktes des zweiten Pendels. Weil wir eben Kosmos sind!

Worauf also schauen wir? Auf den Endpunkt des ersten oder den des zweiten Pendels? Darin zeigt sich das grundlegende Dilemma: Auf der einen Seite relative Berechenbarkeit, auf der anderen Seite die Unmöglichkeit der Vorhersagbarkeit. Und das gleichzeitig in ein und demselben System.

In der Natur hingegen herrscht eine natürliche (!) Ordnung, die Tiere und Pflanzen ihr Leben optimal gestalten lässt und das Ineinandergreifen der einzelnen Elemente ideal organisiert, entsprechend der inneren Organisation eines Lebewesens. Beim Menschen klappt das leider nicht mehr. Also was tun? Das ist die wichtige Frage, mit der wir konfrontiert sind.

Wie bekommen wir Ordnung in das Chaos, ohne den einen Pendel festzubinden?

Denn das wäre so, als würden wir dem Lebendigen das Lebendige nehmen wollen. Was wir tatsächlich schon vielfach tun, indem wir viele Prozesse in die Struktur der Mechanik zu pressen suchen. Bei der Reparatur eines Autos funktioniert das, aber nur solange, solange sich alle Beteiligten an eine gemeinsam definierte Ordnung halten. Es ist letztlich die natürliche Ordnung, die in der Natur selbstverständlich ist und die der Mensch zum einen verloren hat (warum auch immer) und zum anderen wieder selbst erkennen und definieren muss.

Eine „Ordnung“ wurde den Menschen immer wieder von Einzelnen suggeriert und aufgezwungen, was immer weniger gelingt. In der Folge ist der Einzelne aufgerufen, die Notwendigkeit dieser Ordnung zu erkennen und gemeinsam mit allen anderen festzulegen.

In dem Moment, indem wirklich alle gemeinsam nach einer solchen Ordnung suchen, ist alles in Ordnung. Ich weiß nicht, wie ich es bewerkstellige, lebendig zu bleiben. Aber ich tue es, vorausgesetzt ich höre auf mich. Mein Herz, meine Lunge, meine Nieren, meine Muskeln. Und so weiter und so fort. Aber ohne dass mir ein anderer suggeriert, er wüsste, was für mich richtig wäre.

Es ist also nicht die Frage, woher ich wissen soll, was mir gut tut, denn mein Körper (nicht ich!) weiß es ganz genau. Die Frage ist also, ob ich mich auf diesen wortlosen, nicht nachdenkenden, „intuitiven“ Dialog mit mir selbst einlasse.

Wir müssen uns also auf die Welt des Lebendigen einlassen, eine Welt in der andere Spielregeln gelten als in einer mechanischen Welt. Wenn ich diese Spielregeln, diese Ordnung gefunden habe, kann ich damit anfangen, ein Problem nach dem anderen zu lösen, denn der Kosmos spricht eine einheitliche Sprache. Und es existiert nichts, das nicht Kosmos wäre. Wir brauchen nur aufzuhören, fragmentiert zu denken.

Das Universum ist nun einmal nicht linear strukturiert. Und wir auch nicht.

Ein gelehrter Mann kam zu Tao-hsin und fragte ihn:
Träumt die Welt den Menschen oder der Mensch die Welt?
Tao-hsin trank einen Schluck Wein.

Aus den verschollenen Schriften von Tao-hsin

Man muss wissen, wo Wissenschaft keine Antworten mehr finden kann und dort aufhören, zu fragen. Aber keinesfalls vorher.