Regeln und Prinzipien

Damit kann man nicht nur etwas reglementieren und limitieren, sondern man kann durch sie auch einen Raum für Kreativität, Spontanität und Sinnfindung öffnen.

Ich habe gerade einen Artikel über den Linguisten Noam Chomsky gelesen, nach dessen Ansicht die Sprachfähigkeit nicht nur die Basis von Kreativität und Freiheit bildet, sondern auch das Fundament einer weltpolitischen Vision.

Es gibt einen Wesenszug der Sprache, so Noam Chomsky, der lange übersehen worden sei, obwohl er deutlich hervortrete, sobald man sich mit dem Phänomen des Sprechens befasse. Jeder Sprechende habe ein begrenztes System von Regeln verinnerlicht, mit dem er Sätze bilden kann. Aber mit diesem begrenzten System lässt sich eine unbegrenzte Zahl von Bedeutungen ausdrücken. Erinnert an Wilhelm von Humboldt, für den die einzelne Sprache historische Bedingung des Denkens ist.

Andererseits ist es ganz offensichtlich, dass mit dem Verlust einer geordneten Sprachkultur auch die Fähigkeit zur Sinnfindung verloren geht. Vielleicht eine Tatsache, der wir uns im Zeitalter digitaler Kommunikation sehr bewusst sein sollten. Aber das ist ein anderes Thema.

Worauf ich nämlich hinaus will ist, dass Regeln und Prinzipien der Sprache nicht nur einen Raum des Denkens öffnen – und alles andere als einschränkend sind, wenn man sie richtig versteht und anwendet. Es kommt eben immer auf den Zweck an, den man damit zu erreichen sucht. So sehen manche Menschen in den Prinzipien und Regeln, auf denen etwa die Samurai-Kultur aufbaut, ein einschränkendes und reglementierendes System und fragen sich, ob man denn mit einem Schwert herumlaufen müsse, wenn man danach leben würde.

Andere hingegen sehen darin ein System, das einen zwar geregelten, aber keinesfalls eindeutig definierten Raum nach dem Motto ‚so-und-nicht-anders‘ entstehen lässt; eben einen Raum der Kreativität, der Spontanität und vor allem, und das finde ich dabei das Wichtigste, einen Raum der Sinnfindung.