Rückschau

Man sollte öfters mal sich selbst und sein Verhalten reflektieren.

In meinem Beruf als Rechtsanwalt habe ich aus heutiger Sicht eine Menge Dinge getan, die ich im Sinne von Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und Offenheit wie auch Ehrlichkeit besser nicht getan hätte. Dabei habe ich nie etwas Ungesetzliches getan. Recht und Gerechtigkeit sind wie auch Gesetz und Sinn aber nun einmal verschiedene Dinge. Aber alles nicht so schlimm. Ich konnte ja nichts dafür, schließlich war ja auch ich nur ein Opfer des Systems. Also absolut unschuldig. Tja, wenn es doch nur so einfach wäre. 

Das „System“ kann aber nichts dafür, was ich getan habe. Da trage ich wohl die alleinige Verantwortung, ob mir das passt oder nicht. Und dass das „System“ mich verführt hat – auch so ein Ding. Das „System“ gibt es ja dummerweise nicht wirklich, nur Menschen, die genau dem gemeinsamen Kommitment folgen, das letztlich das bedingt, was man dann als System bezeichnet Aber die Schuld dem „System“ zuzuschreiben und zu -schieben ist ja schon praktisch. Nur nicht ehrlich sich selbst gegenüber. Eine wunderbare Ausrede, um nicht zu sehen, was man da so tut.

Und ich mittendrin. Ja, so leicht sind wir Menschen verführbar. Wir müssen nur ein kleines Stückchen von der Macht wittern und schon schnappen wir zu. Oder eine andere Illusion, mit der wir glauben, unsere Sehnsüchte zum Schweigen zu bekommen. Weil wir gierig sind. Das Schlimme dabei ist, dass wir selbst es sind, die uns „verführen“. Wir bräuchten nur konsequent „nein“ sagen, wo wir auf Abwege geraten könnten. Natürlich sind die Konsequenzen nicht immer erfreulich. Aber für unser Seelenleben wäre es definitiv besser und gesünder.

Aber gibt es eine gute Rechtfertigung für nicht korrektes Verhalten? Ich finde, die gibt es wirklich nicht. Doch das fängt man erst an zu begreifen, wenn man sich überhaupt ernsthaft Gedanken über das macht, was für einen „korrekt“ eigentlich bedeutet. Für einen selbst und die Welt. Da kann man ganz schön ins Grübeln kommen. Und sehr oft kommt man dabei auch selbst ordentlich ins Schleudern, einfach, weil man sich dabei selbst in die Augen schaut.