Schöne neue Welt

Wenn die Utopie mehr und mehr Wirklichkeit wird – und kaum einer merkt es.

Kürzlich fand ich – mal wieder – dieses Zitat von Aldous Huxley auf Facebook: ‚Die perfekte Diktatur wird den Anschein einer Demokratie machen, einem Gefängnis ohne Mauern, in dem die Gefangenen nicht einmal davon träumen auszubrechen. Es ist ein System der Sklaverei, bei dem die Sklaven dank Konsum und Unterhaltung ihre Liebe zur Sklaverei entwickeln.‘ 

Und wieder fand ich keine Kommentare dazu, außer drei ‚erstaunten‘ bis ‚erschrockenen‘ Icons. Ganz anders als gewohnt bei dem, der den Text veröffentlich hat.

Warum macht mich dies regelrecht wütend, verzweifelt und zornig? Weil es genau so ist, wie der Text beschreibt! Man muss ihn nämlich von hinten lesen. Die Sklaven selbst entwickeln durch Konsum und Unterhaltung ihre Liebe (!!) zur Sklaverei. Und genau deswegen träumen sie nicht einmal davon, auszubrechen. 

Was machen sie stattdessen? Sie jammern und klagen, wer alles schuld an ihrer Misere ist. Statt dass sie endlich einmal begreifen würden, dass sie selbst es sind, die sich eine Augenbinde überziehen, damit sie ja nicht sehen müssen, was wirklich ist. Wie heißt es doch in dem Klappentext zum Buch?

‚Eine Utopie, aber nicht vom billigem Optimismus des herkömmlichen Zukunftsromans, der von der Welt in rosigem Licht träumt. Huxley zaubert uns kein unerreichbares Wunschbild vor, predigt nicht und will nicht verbessern. Er denkt mit unerbittlicher Folgerichtigkeit den ‚Fortschritt‘ zu Ende, zu einem unausweichlichen grotesken Ende.‘

Genau so ist es! Es sind eben nicht die anderen, die an allem schuld sind, sondern wir selbst sind es, weil wir dieses idiotische und zerstörerische Spiel mitspielen. Ich bin vor bald zwanzig Jahren aus meinem Beruf ausgestiegen, weil ich diesen Schwachsinn nicht mehr mitmachen konnte.

Aber beileibe nicht freiwillig und erhobenen Kopfes, mein klügeres Ich hat mich, da ich einfach nicht auf es hören wollte, in exakt die Situation gebracht, die ich brauchte, um aus diesem Irrsinn auszusteigen und endlich aufzuwachen und zu sehen, was ist. Was sich da in meinem Hirn ereignet hat, habe ich erst viel später verstanden. Ich sage ja, ‚meine‘ Intelligenz ist nicht meine!

Aber vielleicht wird es der Menschheit so ergehen wie es mir erging. Erst wenn der Karren nicht mehr aus dem Dreck zu bekommen ist wendet man sich endlich ab und erkennt, was wirklich Sache ist. Und es ist dabei so verdammt einfach geworden! Wissen wir doch seit nunmehr einem Jahrhundert, dass das, was vor Jahrtausenden die Weisen dieser Welt erkannt haben, sich auch ganz nüchtern wissenschaftlich darstellen lässt. 

Das Verrückte ist, dass wir diese Erkenntnisse ganz selbstverständlich tagtäglich nutzen. Nur wir ziehen daraus noch nicht die folgerichtigen und logischen Konsequenzen für unsere philosophisches Selbst- und Weltverständnis.