Schwierige Kommunikation II

Also doch Regeln?

Angenommen, jemand möchte die Gräben überwinden, die die ‚normale‘ Konvention  gräbt und alles, was damit einhergeht, überwinden, was kann der tun? Was müsste derjenige lernen?

Gar nichts, überhaupt nichts müsste derjenige lernen. Weil er es nämlich schon weiß. Nur er weiß nicht, dass er es schon weiß. Das ist das Eine, das Andere ist, dass er all das ‚Wissen‘, das er sich über die Jahre angeeignet hat, wieder loswerden muss.

Ein Beispiel: Junge Menschen lernen ganz leicht Motorrad zu fahren. Ich habe es mit 65 angefangen und tat mir zu Beginn schwer damit. Nicht weil ich schon älter war, das war nicht der Grund. Sondern ich musste 47 Jahre Autofahren entlernen. Motorräder funktionieren eben anders als Autos, aber mein Gehirn war so auf Autofahren geeicht, dass es damit erst einmal Schwierigkeiten hatte.

Oder ein anderes Beispiel. Als die Pest in der Welt grassierte, kam ein kluger Mensch auf die Idee, dass man sich durch Immunisierung, also durch vorbeugende Ansteckung mit einer geringen Dosis vor Krankheiten schützen kann. Wirklich clever! Aber Bienen können das auch. Die machen das nämlich genauso. Und haben Sie sich schon einmal gefragt, wie Termiten einen perfekt klimatisierten Bau hinbekommen? Also, die Intelligenz der einzelnen Termite kann es nicht sein. 

Vielleicht sollten wir uns einen anderen Begriff für Intelligenz überlegen. Schwarmintelligenz finde ich nicht wirklich stimmig, das begrenzt zu sehr. Jedenfalls, die Intelligenz ist außerhalb von uns – wie auch immer. Aber sie ist nicht nur in uns. Wir sind eher die Umsetzer, die, die diese Intelligenz manifestieren können. Solange wir aber glauben, dass die Intelligenz, also das eigentliche Potential allein in uns zu finden ist, solange suchen wir vergebens und werden nicht allzu weit kommen.

Es geht also nicht darum, etwas zu lernen, sondern sich von falschem Wissen zu befreien. Was gar nicht so einfach ist, denn auch das ist wieder ein Prozess. Also was tun? Das geht relativ einfach, wenn man es wirklich will. Aber es geht wirklich nur, wenn man es definitiv will. Man unterstellt sich nämlich Regeln. Nicht um etwas auf-, sondern um etwas abzubauen.

Wie das geht? Ganz einfach. Man definiert seinen Alltag komplett so, dass kein Raum mehr für das ist, was man loswerden möchte: Konvention. Und je mehr man das im Äußeren umzusetzen vermag, desto besser gelingt es auch im ‚Innen‘. Schließlich sind innen und außen nicht wirklich getrennt. Ich habe gestern einen Schrank aufgeräumt, den ich schon lange nicht mehr aufgemacht hatte. 

Was war zu sehen? Alles lag durcheinander. Und genau das ist mein altes Problem: Durcheinander. Auf Deutsch: Keine Klarheit. Auf meinem Rechner habe ich seit geraumer Zeit eine klare Struktur. Was hat das aber mit meinem Denken zu tun? Scheinbar nichts. Aber je mehr Klarheit ich auf meinem Rechner habe, desto klarer kann ich auch denken, jedenfalls in meinem Verständnis. Obwohl, eigentlich war es umgekehrt. Aber es geht so wie so. Der kürzere und schnellere Weg ist aber definitiv, eine klare Struktur im Außen zu schaffen. Da komme ich nämlich ganz einfach ran.

Das ‚Komische‘ war, dass ich – im Gegensatz zu früher – kein Problem damit hatte anzufangen die Schublade aufzuräumen. Ich habe jedoch erst einmal damit aufgehört, denn mir ist aufgegangen, dass ich das meiste davon wegwerfen kann. Also überlegen, was ich davon nicht mehr brauche. Und dann weg damit. Mit meinem Kleiderschrank ging es mir auch so. Ich bin mittlerweile fasziniert, was ich alles nicht mehr brauche. Eine Folge der Klarheit. Mich gibt es eben nur einmal. Wie jeden anderen auch.

Wie sagt schon Albert Einstein? ‚Wer es in kleinen Dingen mit der Wahrheit nicht ernst nimmt, dem kann man auch in großen Dingen nicht vertrauen. … ; denn die kleinen Probleme können nur richtig erfasst werden, wenn sie in ihrer Abhängigkeit von den großen Problemen verstanden werden.

Also fragen Sie sich einmal, was Konvention bedeutet. Und dann suchen Sie den Gegenbegriff. Und den setzen Sie um. Im Außen! Das geht nämlich einfacher. Einen Schrank aufräumen, das ist schnell getan. Aber ein Gehirn aufräumen – das ist schon schwieriger. Da kommt man nur mit klaren Regeln ran. Und natürlich mit Beharrlichkeit und Disziplin.