Schwierige Kommunikation 

Die ist nämlich nicht immer das, was wir darunter verstehen.

Wenn Sie beispielsweise ein Gespräch über ein Stylesheet für das eigene Leben beginnen wollen, dann begegnen Ihnen ganz oft Menschen, die dann sagen, dass sie doch keine Website hätten und sie das nicht interessieren würde. Versuchen Sie dann einen Umweg über ‚Zen oder die Kunst der Präsentation‘ und es kommt die Bemerkung, dass man auch keine Präsentationen machen würde, dann wissen Sie, dass Sie sich einem anderen Thema zuwenden sollten, denn dann ist Ihr Gegenüber einfach nicht offen dafür. Warum auch immer. Aber zu ist zu. Da hilft es so wenig wie darüber zu diskutieren, warum die Kneipe, in die Sie wollten, zu ist. Egal, sie ist eben zu.

Nur ist natürlich schon interessant, sich einmal anzuschauen, warum das so ist. Wie bei der Kneipe. Dann kann man sich für zukünftige Gelegenheiten den Frust ersparen, vor verschlossenen Türen zu stehen. Oder eben über Dinge zu reden, die der andere nicht hören will. Wie gesagt nicht hören will, und nicht etwa, weil es ihn nicht interessiert. Wenn Sie nämlich sagen ‚Hör es dir einmal an, ist ein spannendes Thema!‘, dann sollte er ja mindestens sagen ‚Also gut, dann erzähl mal.‘ und sich erst danach eine Meinung darüber bilden, ob es ihn wirklich nicht interessiert.

Ich bin seit einiger Zeit der Überzeugung, dass die gewöhnliche Kommunikation, also all das, was wir normalerweise unter Kommunikation verstehen, nur die äußerste Schicht oder Schale derselben ist. Wobei Schale wohl der stimmigere Begriff wäre, denn die schützen ja etwas. Ich denke da gerade an eine Nussschale. Kommunikation als Schutz? Das ist definitiv eine gute Frage! und eine Frage der Haltung. 

Haltung eins: Ich will mich schützen oder glaube, mich schützen zu müssen. Das merkt man möglicherweise daran, wenn jemand auf Regeln und Gesetzmäßigkeiten beharrt und diese für ihn unumstößlich sind. Und vor allen Dingen merkt man es daran, dass die Überlegungen emotional sind, was sich schnell darin zeigt, wenn sie nicht logisch zu verstehen sind oder aber, dass der Ausgangspunkt nicht verifizierbar ist. Starrheit oder auch ‚nur’ Sturheit kann kein Zeichen von angemessener Flexibilität sein, wobei man das wahrlich nicht mit stoischer Gelassenheit verwechseln darf. Wer sich schützen will, klebt auch regelrecht an vermeintlich eindeutigen Wortbedeutungen. 

Dabei lässt uns ein Blick auf die unterschiedlichen Sprachen leicht erkennen, dass Sprache die Welt gestaltet. Man sehe sich nur einmal Englisch und Deutsch an. Da gibt es Begriffe, die die eine Sprache kennt und die andere nicht – und damit auch die Menschen nicht. Und viele Begriffe, vor allem die, die psychologisches Verhalten beschreiben, können regelrecht ‚kippen‘. Ein Satz, den jemand als belehrend empfindet, ist vielleicht ein ganz normaler Satz, wenn sich der Kontext ändert. Und es ist immer die Frage, aus welcher Perspektive man das untersucht. Aus der Perspektive des Senders oder der des Empfängers?

Die übliche ‚Schutzhaltung‘ bedient sich zwingend der Konvention, denn das ist die einzige Garantie, die man hat, will man nicht verletzt werden. Auf diese Überlegung kam ich dank meines Enkels Paul, mittlerweile 18 Monate alt. Paul kommuniziert eindeutig, aber er benutzt dafür keine Worte. Er scheint es regelrecht zu ‚riechen‘, wie man drauf ist. Also eine klare Kommunikation. Aber ohne Worte. Und genau das steckt dahinter, jedenfalls ist das meine feste Überzeugung, wenn manche Menschen plötzlich ‚dicht‘ machen. Und das, obwohl es dafür ‚eigentlich‘ keinen triftigen Grund gibt. 

Fakt ist, jedenfalls für mich, dass wir wesentlich subtiler kommunizieren, als wir gemeinhin glauben. Wir akzeptieren zwar Sheldrakes morphische Felder, um die Ganzheitlichkeit selbstorganisierender Systeme erklären zu können, doch dass das genauso für uns selbst gilt, ignorieren wir gerne, wenn es uns nicht in den Kram passt. Natürlich kommunizieren wir immer noch, nur wir blenden es aus, wir wollen es einfach nicht sehen.

Haltung zwei: Man kann auch aus dem scheinbaren Problem einen Nutzen machen. Es gibt einen Menschen, den ich wirklich gut kennen würde. Also mich selbst. Wir glauben zwar, wir würden uns kennen, doch tatsächlich kennen wir nur soviel von uns selbst, wie wir auch von der Erde kennen. Wir kennen also nur das Sichtbare, die äußere Hülle. Alles anderes ist uns erst einmal verborgen. Demnach hilft mir jede Situation, etwas über mich selbst zu erfahren. Doch das bedeutet nicht, dass ich auf eine klare Meinung verzichten würde. Dafür stehe ich auch vehement ein. Bis man mich eines Besseren belehrt. 

Hossen nennt man das im Zen. Darunter sind Dialoge zwischen Zen-Praktizierenden zu verstehen. Solche Gespräche helfen mir definitiv, mein Verständnis und meine Einsicht in das Wesen der Dinge zu vertiefen. Es geht dabei eben nicht darum, jemandem einfach des lieben Friedens wegen Recht zu geben, das halte ich für Beliebigkeit und ziemlich blöd. Dazu gehört auch, dass ich jeglichen Ansatz der Manipulation. Das mache ich doch nur, wenn ich jemanden unbedingt überzeugen will! Warum aber sollte ich mit ‚Trick siebzehn‘ erreichen wollen, dass sich ein Anderer meiner Meinung anschließt, sie glaubt und als richtig ansieht? Überzeugen ja, aber nur im Dialog! 

Wir Menschen sind sehr, sehr leicht manipulierbar. Und darum ist mir die Konfrontation die liebste Form der Auseinandersetzung. Offen und ehrlich, doch ohne den anderen verletzen zu wollen. Es geht definitiv nur darum, wer die besseren Argumente hat! Wie soll man auch sonst wissen können, welche Argumente die besseren sind? Das kam man aber nur dann verstehen, wenn man sich nicht mehr zu schützen sucht. Das einzig Blöde dabei ist, dass alle Beteiligten auch mitspielen müssen.

Und falls Sie noch etwas zu dem Thema Stylesheet wissen wollen, schauen Sie sich einmal die Seite http://www.csszengarden.com/tr/de/ an. Und den Film ‚The last Samurai‘. Da ist, wie übrigens auch in einem Kloster, ganz klar ein Stylesheet aktiviert, auch wenn es nicht so ohne weiteres erkennbar ist. Nur nennt man es da nicht so, sondern man nennt es Regeln. Aber auf der Seite Zen-Garden wird deutlich, dass vorher etwas ganz anderes kommt: Die ultimative Kata. 

Das ist der absolut notwendige erste Schritt, sich der eigenen Kata bewusst zu werden. Jeder hat eine. Nur folgen viele Katas dem Igelprinzip. Also nicht dem, wie Jim Collins es versteht. Was macht nämlich ein Igel, sobald er sich bedroht fühlt? Genau! Er igelt sich ein. Und kommt man ihm dann zu nahe, kann das recht schmerzhaft werden. Also sollte man es tunlichst lassen.