Sehen, wie Wirklichkeit sein kann

Das grundlegende Dilemma.

Die Welt richtig zu sehen ist eine Kunst, die man lernen kann – und wohl auch muss. Wie auch immer.

Verstehe ich die Welt – und damit auch mich selbst – auf unzutreffende Weise, dann sehe ich sie und mich selbst auch dementsprechend unzutreffend. Ein wirkliches Dilemma. Die Lösung ist banal, wirklich einfach, und doch gleichzeitig herausfordernd. 

Angenommen, meine Vorstellungen von der Welt und damit von mir sind falsch. Was wäre dann von all dem, was ich tue, eigentlich richtig? Genau! Nichts! Absolut nichts! Das ist das wirklich Fatale. Alles oder nichts. Im Falschen gibt es eben nichts Richtiges. Hat schon Adorno gesagt. 

Viele Menschen haben die Vorstellung, sie müssten erst wissen, was sie tun sollen, wenn sie eine Lösung suchen oder um ein Ziel zu erreichen. Genau das verhindert aber die Lösung, da es letztlich nicht darum geht, zu wissen wo man hin will. Denn es geht nicht um ein zu erreichendes Ziel, sondern um eine Haltung. Das ist die Crux des materiellen, mechanistischen Denkens. Denkt man phänomenologisch, denkt man zuerst über die Haltung nach und nicht über das Ziel, dieses ist zu diesem Zeitpunkt irrelevant, weil es erfolgt einfach, lässt sich aber nur über Haltung anpeilen.

Ein Beispiel: Einstein hatte ja so eine gedankliche Eingebung, diesen Geistesblitz. ‚Wenn sich ein Mensch im freien Fall befindet, wird er seine eigene Schwere nicht empfinden können. Mir ging ein Licht auf. Dieser einfache Gedanke beeindruckte mich nachhaltig. Die Begeisterung, die ich da empfand, trieb mich dann zur Gravitationstheorie.‘ Ein ganz banaler und logischer Gedanke. Der vielen hätte einfallen können. 

Wie gesagt, hätte. Warum aber fällt das nur einigen wenigen ein? Vielleicht weil die es wagen, sich nicht an die Denkgewohnheiten der Konvention zu halten? Genau so ist es. Das ist die erste Barriere, die man überwinden muss. Nicht zu glauben, dass man nicht intelligent genug ist, so etwas zu erkennen. Die zweite Barriere ist sich bloß keine Gedanken über Dingen zu machen, die noch nicht gedacht wurden.

Früher habe ich die Dinge immer völlig realistisch gesehen. War dem Beruf des Anwalts geschuldet. Und ein gewaltiges persönliches Manko. Als mir der Beruf dann endlich um die Ohren flog, wagte ich es endlich meinen Träumen zu folgen. Sozusagen. Das heißt scheinbar verrückte Dinge nicht einfach so zu glauben, aber über sie nachzudenken. Und in Filmen nicht nur einen unterhaltsamen Film zu sehen, sondern darin eine Metapher über das Leben zu sehen. Wie etwa in den Filmen ‚Matrix‘ oder ‚Der letzte Samurai‘. 

Zwei völlig unterschiedliche Scripts, die sich aber erstaunlich gut ergänzen. Zwar sehr unterschiedlich, aber sie stehen tatsächlich komplementär zueinander. Ok, um das zu sehen, muss man vielleicht ein bisschen schräg denken. Schräg im Sinn von nicht ganz normal. Ich halte tatsächlich sehr viel von Erichs Fromms Überlegung, und der ist ja von den meisten anerkannt, dass in unserer Gesellschaft die Normalen wohl doch eher die Kranken sind.

So zu denken hilft mir zu sehen, wie Wirklichkeit sein kann.