Sender und Empfänger

Oder die Kunst, Reiz und Reaktion voneinander zu trennen.

Das „normale“ Verständnis von Kommunikation ist, wenn Menschen miteinander reden, werden sie zu Sendern und Empfängern. Der Sender möchte etwas mitteilen, zum Beispiel Gefühle, Ansichten, Wünsche oder auch eine Sachinformation. Das geschieht aber nicht durch Gedankenübertragung, sondern das, was ausgedrückt werden soll, wird codiert. Sprache, Schrift oder Körpersignale „transportieren“ die Botschaft zum Empfänger. Es wird also ein Signal ausgesendet.

Der Empfänger muss das Signal wieder entschlüsseln, also decodieren. Erst wenn er den Code „geknackt“ und die Botschaft interpretiert hat, kann er darauf reagieren und selbst zum Sender werden. Mit welchen Mitteln wird kommuniziert? Durch die Sprache, das gesprochene/geschriebene Wort, die Art der Artikulation, also das Spektrum der Stimme und durch Gestik, Mimik, Körperhaltung und di, Bewegung im Raum. Das Sender-Empfänger-Modell (nach W. Weaver/C. E. Shannon: The Mathematical Theory of Communication, Illinois 1949) sieht dann so aus:

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Die meisten Menschen verstehen Kommunikation so, ähnlich einem Ping-Pong-Spiel. Aber ist das auch das ganze System? Ist es nämlich nicht. Die Frage, die sich nur wenige stellen, denn die geht ans Eingemachte, diese Frage ist, woher der Empfänger sein Wissen hernimmt, mit dem er dekodiert. Muss man nur die Bedeutung des Wortes wissen? Oder ist es auch wichtig, Mimik, Artikulation, Körperhaltung und Bewegung richtig zu verstehen? Sicher muss man das, will man richtig verstehen. Also macht man einen Kurs und lernt das. Was aber lernt man? Ein Modell, ein Kommunikationsmodell.

Wenn einer also mit den Augen rollt, dann heißt das … . So denken die meisten. Aber heißt es das? Nein, denn ich kann es nur vermuten, denn wirklich wissen kann ich es nicht. Dazu müsste ich ihn fragen, warum er mit den Augen rollt. Tue ich das nicht, dann decodiere ich sein Augenrollen nicht wirklich, sondern ich interpretiere es. Und bin ich mir dessen nicht bewusst, wird meine Interpretation zu meiner Wirklichkeit – die aber vollkommen falsch sein kann.

Will man also richtig verstehen, muss man sich darüber im Klaren sein, dass man das Signal nicht decodiert, sondern interpretiert. Denn kein Mensch kann objektiv sein und keiner kann wirklich bewusst sein. Dazu müsste man wissen, was man so im Untergrund denkt. Aber das tun wir nicht.

Also kommen Sie mir nicht mit Sender und Empfänger! Man muss stattdessen bereit sein, das Verhalten des anderen einem selbst gegenüber als eine Reflexion seiner Beziehung zu sich selbst anzusehen und nicht als eine Aussage über einen selbst zu verstehen, vor allem nicht den eigenen Wert als Mensch, dann habe ich gewonnen, denn ich löse mich aus der Zwanghaftigkeit von Reiz und Reaktion. Dann kann ich dazwischen eine Schleife einbauen und meine eigene Reaktion steuern. Oder sie ganz zu lassen und überhaupt nicht wie gewohnt reagieren.

Aber warum geht das an´s Eingemachte? Ganz einfach, weil das nämlich ernsthafte Selbstreflexion voraussetzt. Fazit:

Nicht mehr den eigenen (Vor-) Urteilen folgen! Also wenn das nicht Freiheit ist!