Sind wir Gefangene unserer Sprache? 

Nein, sind wir nicht!

Wittgenstein hat einmal gesagt, dass Sprache die Grenzen unserer Welt bedeuten. Aber erfreulicherweise hat mich mal ein guter Bekannter einen Borderliner genannt. Eben einen, der auf Grenzen tanzen kann. Damals fand ich das verwirrend, heute empfinde ich es als ein wirkliches Kompliment. Und als ein Geschenk, dass ich da von der Natur und der Welt mitbekommen habe.

Auch wenn das nicht immer so einfach ist. Nicht das Tanzen auf den Grenzen, sondern das Unverständnis, das einem immer wieder entgegengebracht wird von denen, die einen gerne auf ihre sichere Seite ziehen möchten. Aber dummerweise ist das nur eine vermeintlich sichere Seite. Nur, dass das ein Gefängnis ist. Schließlich ist man gerade in einem Gefängnis absolut sicher. Definitiv.

Aber gehen wir noch einen Schritt weiter. Unsere Sprache definiert unser Denken. Oder umgekehrt. Das aber liegt an uns selbst. Es ist wie mit allem, mit dem wir uns identifizieren. Haben wir uns mit etwas identifiziert, mit einem Job, einer Familie, einer Gruppe – schon sind wir davon gefangen. Obwohl uns nichts bindet, nein, wir selbst sind es, die sich binden. Höchstpersönlich.

Und das auch noch freiwillig? Niemand, der einen zwingt? Exakt. Niemand. Das machen wir schon selbst. Anfangs nicht bewusst. Klar. Aber irgendwann hören wir es schon, bekommen es mit. Aber nur, wenn wir es auch hören wollen, nur wenn wir endlich bereit sind, uns nicht als Opfer zu inszenieren.

Sondern sind, was wir sind. Eigenständig. Und frei. Interdependent, das ja, aber weder abhängig noch selbstständig.