Sprache

Gestalter der Welt. Und nicht nur Schlüssel zum Verständnis der Welt.

Jedenfalls spielt Sprache dabei eine wichtige Rolle, weil sie auch gut erfahrbar ist. Über den Gebrauch der Sprache können wir relativ gut auf die uns meist nicht bewussten internalen geistigen Grundlagen schließen. Und über den bewussten Gebrauch der Sprache können wir die Vernetzungsstruktur des Gehirns modellieren. Ein kybernetischer, selbstregulierender Regelkreis. Und damit das perfekte Mittel für Selbstreflexion, Selbsterkenntnis wie für persönliche Entwicklung.

Was wir denken, unsere Ansichten und Überzeugungen, aber auch unser Verständnis wie die Bereitschaft, uns etwas anzuhören oder eben nicht, was wir wissen genauso wie das, was wir fürchten, traumatische Erlebnissen und so weiter und so fort bis hin zum eigenen Selbstverständnis und der eigenen Identifikation, das alles ist allein in der neuronalen Struktur unseres Gehirns gespeichert. Was so materialistisch erscheint ist es tatsächlich nicht, aber das ist ein anderes Thema.

Dass sich diese Struktur selbst organisiert, macht es nicht wirklich einfacher. Aber nicht unmöglich, bewusst darauf zuzugreifen. Nicht, indem man etwas will, sondern durch schlichte Bewusstheit, einfach, indem man bewusst ist, aber ohne etwas zu wollen. Dieses wollen funktioniert sowieso nur in unserer Einbildung. Und irgendetwas kontrollieren zu wollen ist auch nur die Garantie, dass es nicht die gewünschte Richtung einschlägt. Unser Gehirn ist nicht nur komplex in seiner Wirkweise, sondern auch immun gegen alles, was von außen kommt. Natürlich reagiert es auf all das, aber was es tut, das liegt genau in der neuronalen Matrix begründet. Und auf die haben wir definitiv keinen direkten Einfluss, nur indirekt, ohne Wirksamkeitsgarantie. Über Sprache eben.

Natürlich werden wir nur das tun, was im Einklang mit der Struktur unserer neuronalen Matrix steht. Zumindest mit wesentlichen Aspekten davon. Was wir wirklich tun werden – nicht können! -, das erfahren wir allein dadurch, dass wir zulassen, dass es uns bewusst wird. Dabei ist ein kleine, aber entscheidender Annahme wichtig. Betrachte ich die Natur mit Ausnahme des Menschen, dann lässt sich erkennen, dass das Ganze einer übergeordneten oder auch impliziten Ordnung folgt. Und die, jedenfalls ist das meine Überzeugung, genau diese Ordnung ist auch in uns aktiv, wenn wir sie nicht verdecken. Das bedeutet, dass diese Ordnung auch in uns aktiviert wird, wenn wir nichts wollen, sondern nur bewusst sind was in uns – und nicht bei anderen – aktiv ist, absolut reines Gewahrsein, ohne auch nur den Hauch eines selbstbezogenen Gedanken.

Und genau damit entsteht ein Problem. Ortega y Gasset hat es perfekt einfach ausgedrückt: Von dem, was man heute denkt, hängt das ab, was morgen auf Plätzen und Straßen gelebt wird. Realität wird also letztlich das, was wir denken. Suchen wir darauf willentlich Einfluss zu nehmen, verbauen wir uns den Zugang zu uns selbst. Lassen wir es einfach so laufen, kann das genauso falsch sein, denn woher wissen wir, dass wir sauber, ohne Maske sind und keine Spielchen mehr spielen? Und das im gewöhnlichen Alltag durchzuhalten, ist eine wirkliche Herausforderung. Es braucht ziemlich viel Übung und vor allem Konsequenz und Disziplin, auch in all den Situation, in denen wir uns vermeintlich entscheiden müssen oder glauben, etwas wollen zu sollen.

Und das alles geschieht mit und über Sprache. Unsere Sprache aber stammt aus der mechanischen Denkweise und wir sind nicht in der Lage, damit ein quantenphysikalisches Denken unmittelbar eins zu eins zu kommunizieren. Geht einfach nicht. Hier merkt der geneigte Leser leicht, dass es eine faszinierende Parallele zwischen Quantenphysik und Mystik gibt. Beide haben die selben sprachlichen Schwierigkeiten. Damit also Sprache nicht zu einem Gefängnis wird, müssen wir lernen, sie auf eine paradoxe Art und Weise zu gebrauchen. Sprechen durch Nicht-Sprechen sozusagen. Erinnert an das berühmte Zen-Koan des torlosen Tors. Aber zu schweigen ist definitiv keine Option! Bleiben wir an den Worten kleben und lernen wir nicht, damit zu jonglieren, bleiben wir in der Konvention stecken. Anders zu denken heißt also in erster Linie, Sprache anders zu gebrauchen. Und so neue, andere neuronale Verknüpfungen zu bilden. Eben anders zu denken.

Da denkt man, man könne wunderbar kommunizieren, und jetzt das!