Unsere ignorierte Kommunikation

Selbstprogrammierung durch fehlende Achtsamkeit

Dieser Buchtitel ist mir gerad untergekommen: Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren. Ich kenne das Buch nicht, aber der Titel hat mich irritiert. Ich finde es ist nichts spezifisch Menschliches daran, dass wir von Natur aus kooperieren. Tiere kommunizieren ganz selbstverständlich miteinander. Und nicht etwa nur innerhalb einer Spezies.

Synergetische Zusammenarbeit ist zwischen den verschiedensten Tieren ganz normal und nicht nur selbstverständlich, sondern lebensnotwendig. Allein der Mensch tut sich damit schwer, sogar innerhalb der eigenen Spezies. Menschlich ist es daher eher, diese grundsätzliche Kommunikation jenseits der Sprache zu ignorieren und, noch schlimmer, zu negieren.

Der Mensch ist ein auf vielen Ebenen kommunizierendes Wesen,
das manchmal auch spricht.

Ray L. Birdwhistell

Also wir kommunizieren miteinander, auch wenn wir nicht miteinander sprechen. Wohl auch nicht nur durch Körpersprache, sondern auf einer rein geistigen Ebene. Jedenfalls bin ich davon überzeugt. Und es erklärt auch viele Phänomene, die man tagtäglich beobachten kann. Sofern man bereit ist, sie überhaupt wahrzunehmen.

Solange wir uns jedoch in der üblichen gesellschaftlichen Konvention bewegen, wo man sich nicht offen begegnet, sondern seine wahre Meinung hinter einer gesellschaftlich adäquaten und akzeptieren Maske verbirgt, solange wird uns diese geistige Kommunikation nicht bewusst. Aber sie ist da, sie kommt an und wirkt. Nur wir sind uns dessen überhaupt nicht bewusst und merken nicht, was da in uns (!) vorgeht.

Wenn mich jemand laut und vernehmlich einen Depp nennt, kann ich das reflektieren, ergründen und letztlich auch verstehen. Ich kann mich in Aikido-Manier elegant und effektiv damit auseinandersetzen und dem geistigen Angriff ausweichen, der darin liegt, ohne in einen Konfrontations-Modus umzuschalten. Bin ich mir aber der Kommunikation überhaupt nicht bewusst, kommt die negative Meinung direkt an. Und der andere wird mir unsympathisch, eben weil ich dann in die Konfrontation gehe. Aber ich weiß nicht wieso, ich bin mir nicht einmal des Grundes meines Verhaltens bewusst.

Das hört erst dann auf, wenn wir uns nicht mehr hinter einer Maske zu verstecken suchen. Offenheit hat eben zwei Richtungen. Wo nichts gezeigt werden soll, wird auch nichts wahrgenommen. Also wenn das kein Grund ist, sich aus der Konvention zu verabschieden, dann weiß ich auch nicht.